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Fokus

Facelift für einen Wanderweg

Diesen Sommer ruhen sich Wanderer im oberen Kandertal auf neuen, gepflegten Lötschberger-Sitzbänken aus und lesen dazu Geschichten von Felsstürzen und Kohlegruben. Denn die BLS hat den Wanderweg zwischen Frutigen und Kandersteg aufgefrischt und dabei näher an die Bahnlinie gelegt. Aber weshalb unterhält eine Bahn überhaupt eigene Wanderwege?

Die Reise, die uns kreuz und quer durch das obere Kandertal führen wird, beginnt in Frutigen. Ganz in der Nähe des Bahnhofs hat hier der Forstdienst der BLS seinen Stützpunkt. Hanspeter und Alain packen das Material, das sie für den Tag benötigen, in den Minibus. Im Kofferraum stapeln sich Kisten voller Schrauben, auf dem Rücksitz liegen Schutzkleider, die schon einiges an Arbeit mitgemacht haben. Der Anhänger ist beladen mit Betonsäcken, Wasserkanister, Raupenfahrzeug, Schaufeln, Pickeln. Und natürlich mit den Holzplatten, die Hanspeter und Alain heute zu Lötschberger-Sitzbänken zusammenbauen werden.

Es regnet nur leicht. Und auch nur manchmal. Hoch oben über dem Tal schleichen Wolken wie Geister den Felswänden entlang, als wollten sie uns darauf aufmerksam machen, dass im Gebirge Gefahren lauern. Alain Faller und Hanspeter Zürcher freuen sich darauf, einen weiteren von unzähligen Tagen in ihrem Leben draussen in diesem Gebirge zu verbringen. Innerhalb des BLS-Forstdiensts sind die beiden für die Felssicherung zuständig. In den letzten 20 Jahren haben sie beinahe jede Felswand entlang der Bahnlinie von Frutigen bis Kandersteg in Netze eingefasst, welche die Bahn vor Steinschlägen schützen. Heute gehen wir aber keine Felsen sichern, sondern einen Wanderweg aufpolieren.

Geschichten von Felsstürzen und Kohlegruben

Denn die BLS hat diesen Frühling den Bahnwanderweg zwischen Frutigen und Kandersteg aufgefrischt. Sie hat die Wegführung angepasst, damit der Wanderweg näher entlang der Bahnstrecke verläuft. Als Vorbild hat dabei der Wanderweg «Lötschberger Südrampe» von Hohtenn nach Brig gedient, der sich mittlerweile zu einem Klassiker unter den Schweizer Wanderwegen gemausert hat. Bereits letzten Herbst haben Hanspeter und Alain in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs Blausee-Mitholz eine Brätlistelle gebaut, inklusive Holzhütte und Brunnen. Diesen Frühling haben sie nun entlang des Weges Sitz-bänke mit dem Lötschberger-Schriftzug aufgestellt und Holzstelen im Boden befestigt, auf denen Infotafeln montiert sind.

Die 34 viersprachigen Infotafeln, denen Wanderer unterwegs begegnen, erzählen die Geschichte des oberen Kandertals. Sie erinnern an Felsstürze, den Kohleabbau in der Region oder daran, dass die Herrschaft Frutigen im Jahr 1400 in den Besitz der Stadt Bern gelangt ist. Und sie erinnern an den Ursprung der BLS, die hier vor über 100 Jahren eine Bahnstrecke in den Berg gesprengt hat. Wer sich diese Geschichte erzählen lassen möchte, kann sich einer geführten Bahnwanderung anschliessen (siehe unten).

Ein Rastplatz im BLS-Look

Wir kurven über steile Bergstrassen und parken den Minibus schliesslich oberhalb von Kandergrund in der Einfahrt eines Chalets. Von hier aus geht es zu Fuss weiter entlang des Wanderwegs. Hanspeter fährt das voll beladene Raupenfahrzeug in den Naturweg hinaus. Alain hat die Schaufel geschultert und geht voran.

Mitten in einem steilen Bort schlagen die beiden ihren Arbeitsplatz auf. Sie graben ein 50 Zentimeter tiefes Loch, in das sie die Holzstele einlassen, und schütten es mit 60 Litern Beton zu, die Alain in einem schwarzen Plastikkübel angemischt hat. Die Sitzbank, die hier schon steht, die aber alt und abgesessen wirkt, schrauben sie ab. Und montieren zwei Holzplatten aus hellem Walliser Arvenholz. In die Rückenlehne ist der geschwungene Lötschberger-Schriftzug eingebrannt. Fertig ist der Rastplatz im BLS-Look. Aber wie kommt ein Verkehrsunternehmen überhaupt auf die Idee, eigene Wanderwege zu unterhalten?

Wandern und ÖV passen zusammen

Die BLS fördert in ihrem Einzugsgebiet den touristischen Verkehr – zum Beispiel im Emmental, im Neuenburger Jura oder im Berner Oberland. Dazu gehört auch die Pflege von Wanderwegen entlang der Bahnlinien, um den Wandertourismus anzukurbeln. In der Lötschbergregion findet die BLS dafür ideale Voraussetzungen vor. 

Denn sie beschäftigt auf beiden Seiten des Lötschbergs jeweils eine Handvoll Forstmitarbeitende, welche die Bahnlinie vor einstürzenden Bäumen und herunterfallenden Steinen schützen. Allein auf der Nordseite zwischen Frutigen und Kandersteg unterhalte die BLS etwa 60 bis 70 Kilometer Wege, schätzt Hanspeter Zürcher. Es sind Forstwege, aber auch Zugangswege zu den Steinschlagschutznetzen. Viele dieser Wege sind nur zu Fuss begehbar und damit ideales Wanderterrain. Den Erfolg des Wanderwegs «Lötschberger Südrampe» möchte die BLS nun weiterführen: Neben der Auffrischung des Wegs zwischen Frutigen und Kandersteg ist sie auch am Simplon und rund um Domodossola in Wanderprojekten engagiert.

Die Allrounder

Hanspeter und Alain, die beiden Felssicherungsspezialisten und Wanderwegbauer, haben ihr Raupenfahrzeug wieder in den Anhänger gehievt und das Werkzeug im Minibus verstaut. «Solche Arbeiten könnte man auch an eine Baufirma auslagern», sagt Alain. «Aber ich finde es schön, dass die BLS dafür eigene Mitarbeitende einsetzt.» Die beiden sind wohl das, was man als Allrounder bezeichnen könnte. «Nur den ganzen Tag am Seil in der Felswand hängen – das ist nichts. Die Abwechslung macht es aus», sagt Hanspeter. Er steuert den Minibus wieder hinab ins Tal und Richtung Tellenburg bei Frutigen, wo am Nachmittag noch drei weitere Lötschberger-Sitzbänke aufgestellt werden müssen.

Text: Matthias Abplanalp
Bilder: Raul Surace

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