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Fensterblick

Die Renaissance des regionalen Weinbaus

Ein tiefblauer See, eingebettet in einer imposanten Bergwelt mit charmanten Dörfern und historischen Schlössern: Die Region Thunersee geizt nicht mit Sehenswürdigkeiten. Gprägt wird das Landschaftsbild überdies von mit Reben bestückten Ufern. Weinbau am Alpennordrand? Auf der Spur einer wiederbelebten Tradition.

Ein Bild aus dem 16. Jahrhundert zeigt ein beachtliches Rebgelände rund um den Thunersee, ähnlich, wie wir es heute vom Bielersee kennen. Bis in die Regionen Steffisburg und Interlaken wurde Weinbau betrieben, gesamthaft auf 250 Hektaren. Nach einer Hochblüte im 18. und 19. Jahrhundert hat der sogenannte Verderber, eine tückische Pilzkrankheit, den Reben stark zugesetzt. Hinzu kamen wirtschaftliche Veränderungen und mit ihnen Weinkonkurrenz aus der Westschweiz und aus Frankreich. Die Folge: Der Rebbau in der Region Thunersee wurde um das Jahr 1900 eingestellt. Jedoch nicht für lange. In den letzten 90 Jahren haben unterdessen neun Weinbaubetriebe die Produktion erfolgreich wieder aufgenommen. Spiez gilt mit seinen elf Hektaren als Aushängeschild, aber auch das rechte Seeufer weiss das milde Klima zu nutzen. Ein Besuch in Oberhofen und Steffisburg.

Lange Tradition in Oberhofen

«Dank guter Sortenwahl, mildem Klima mit Föhn und dem Thunersee als Wärmespeicher gelingt es, Weiss- und Rotweine zu keltern, die Quervergleiche in der Schweiz nicht zu scheuen brauchen», erklärt Rebmeister Simon Eberli und nimmt möglichem Spott über sauren Wein aus dem Norden den Wind aus den Segeln. Seit 2004 ist er bei der Rebbaugenossenschaft Oberhofen angestellt und hauptverantwortlich für den Betrieb.

«Der Beruf des Winzers erfordert viel Herzblut, sonst wäre es kaum möglich, ein Pensum von teilweise 120 Stellenprozent über die Jahre zu meistern. Dafür wird es auch nie langweilig, die Aufgaben sind saisonbedingt sehr unterschiedlich», erzählt Eberli. In Oberhofen konnte er Wohn- und Arbeitsort vereinen und lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in der angrenzenden Rebmeisterwohnung, umgeben von Trauben, Palmen und Wasser. «Die Landschaft macht so manchen strengen Arbeitstag wieder gut. Und jetzt im Sommer ist der Sprung in den See eine besondere Belohnung.»

Die Rebbaugenossenschaft Oberhofen gehörte neben Spiez zu den ersten, welche die regionale Weinkultur wiederbelebten. Seit 1933 werden auf 2,65 Hektaren Sorten wie Riesling-Sylvaner, Pinot noir (Blauburgunder), Solaris, Pinot Gris und Diolinoir angebaut und unter der Marke «Oberhofner» verkauft.

Bio-Weisswein aus Steffisburg

Nicht am See, aber inmitten einer idyllischen Kulisse liegt der Biobetrieb von Andreas Lanz. «Weintrauben brauchen viel Sonne, guter Wein kommt deshalb aus dem Süden: Frankreich, Portugal, Spanien», schildert der Winzer die hartnäckige Meinung zur Herkunft guten Weins. «Auch wenn regionaler Wein noch nicht im kollektiven Bewusstsein verankert ist, ein Trend hin zu Spezialitäten aus der Gegend ist spürbar. Und wir überzeugen unsere Kundschaft natürlich gerne mit fruchtigen Tropfen.» Hervorragender Wein ist längst nicht das einzige Ziel, das er zusammen mit Marianna Wick verfolgt. Zusammen führen sie den Biobetrieb «Wygarte» in Steffisburg, setzen auf einen naturnahen Anbau und sorgfältigen Umgang mit der Kulturlandschaft. «Der Anteil biologisch bewirtschafteter Rebflächen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, pilzwiderstandsfähige Sorten, kurz PIWI, erlangen immer grössere Bedeutung. Ich bevorzuge allerdings den Ausdruck «Neue Sorten» – PIWI klingt für mich wenig verlockend», sagt Andreas Lanz. Der schöne und lange Sommer im letzten Jahr kam ihrem Ertrag von 1,25 Hektaren Reben zugute, das Klima führte zu einer grossen Ernte mit hervorragender Qualität.

Die Flächen rund um den Thunersee sind im Vergleich zum 16. Jahrhundert bescheiden. Trotzdem ist ein rentabler Betrieb möglich, was auch auf die deutlich verbesserten Klimabedingungen zurückzuführen ist. Noch sind die Spezialitäten aber rar. Wer sie entdecken möchte, unternimmt am besten einen Ausflug in die Region Thunersee und verbindet ihn mit einer Weindegustation.

Text: Maria Van Harskamp
Bilder: Rolf Siegenthaler

Die Weinregion Thunersee-Bern

Winzerinnen und Winzer rund um den Thunersee und in der Region Bern sind der Rebgesellschaft Thunersee-Bern angeschlossen. Der Verein wurde mit dem Zweck gegründet, die hohen Qualitätsstandards der regionalen Weine zu fördern und zu erhalten. Auf gesamthaft 22 Hektaren werden zwischen Thun und Bern Reben angebaut, nebst Oberhofen und Steffisburg auch in Spiez, Hilterfingen, Merligen-Stampbach, Thun, Seftigen, Gunten und Wilderswil sowie in der Stadt Bern, Zollikofen, Ostermundigen, Wileroltigen und seit Neustem in Brienz. Die Reben am Thunersee wachsen auf fruchtbaren Moränen- und Nagelfluhböden in der Höhe von 550 bis 650 Metern über Meer und profitieren vom ausgleichenden Seeklima mit reichlich Niederschlägen und dem warmen Föhn. Der Wein wird, sofern er den Anforderungen genügt, mit dem Label AOC ausgezeichnet. Heimisch fühlt sich in der Region Thunersee eine grosse Vielfalt von Rebsorten: Blauburgunder, Regent, Cabernet Jura, Cabernet Dorsa, Gamaret, Riesling-Sylvaner, Pinot Gris, Chardonnay, Johanniter oder der alteingesessene Elbling.

Ausflugtipps

  • Freilichttheater «fröhlech Wybärg» Berndeutsches Lustspiel nach Carl Zuckmayer «Der fröhliche Weinberg». 10. Juli – 17. August 2019 in der wunderbaren Kulisse des Rebbaus Steffisburg, im Ortbühl.
  • Mit dem Schiff zur Degustation Jeweils Donnerstagabend steht die Rebbaugenossenschaft Oberhofen für Interessierte mit Verkauf und Degustation offen. Oberhofen ist mit dem Schiff erreichbar, z.B. ab Thun in 23 Min.
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