Erst eine Brücke, dann zwei
Losgelaufen sind wir am Bahnhof Schwarzwasserbrücke. Er liegt auf der Linie Bern–Schwarzenburg, gleich am südlichen Ende der Brücke. Eigentlich sind es deren zwei: eine 170 Meter lange Strassenbrücke aus Stahl von 1882 und eine Eisenbahnbrücke aus Beton von 1979. Wir werden sie später noch einmal sehen, wollen aber erst mit einem ausgiebigen Spaziergang etwas ausholen. Ein kurzes Stück folgt der Wanderweg der Bahnlinie Richtung Schwarzenburg, bevor er sie in der Aekenmatt quert. Wiesen, Höfe, Wald, so weit das Auge reicht. Ein alter Speicher aus dem Jahr 1750 entzückt mit seiner kunstvoll geschwungenen weissen Schrift auf dem von der Sonne schwarzgebrannten Holz. Auf der anderen Seite des Wegs steht ein neues Wohnhaus aus hellem Holz, das auf dem Sandsteinfundament eines früheren Gebäudes steht.
Dass die sanften Hügel unendlich weitergehen täuscht: Nach rund einer halben Stunde biegen wir ab in die Schlucht. Mit den Jahren hat das Wasser eine tiefe Furche in die Landschaft geschnitten: den Schwarzwassergraben. Erst geht es auf einem breiten Weg abwärts, danach folgen steile Holzstufen, vereinzelt sind sie auch direkt in den Sandstein gehauen und etwas zerbröselt. Hier ist Trittsicherheit gefragt! Bald erreichen wir den Fluss, der sich dunkelgelb, fast moosfarben durch den breiten Graben schlängelt. Das Schwarzwasser kommt aus dem Gurnigelgebiet und ist oft etwas dunkler und kälter als das Wasser der Sense, mit der es bei der Schwarzwasserbrücke zusammenfliesst. Von hier an ist der Weg breit und folgt den naturbelassenen Kurven des Bachbetts. Der Boden unter den Schuhen ist sandig, und durch das klare Wasser blitzt der Grund mit beeindruckenden Formationen. Eine dünne Schicht Wasserpflanzen überzieht die abgeschliffenen Sandsteinfelsen – eine ideale Unterwasser-Rutschbahn. Wer lieber alleine ist, sucht sich hinter den Büschen ein Plätzchen zum Ausruhen. Wer Lust hat auf die etwas grössere Sense, eine Hängebrücke und einen Kletterfelsen, wandert direkt weiter.