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Paris-Bethlehem ohne Umsteigen

Gleich zwei BLS-Strecken feiern dieses Jahr ein rundes Jubiläum: Die Bern-Neuenburg-Bahn (BN) und die Gürbetalbahn (GTB) werden 125 Jahre alt. Ihre Geschichte ist internationaler, als man denkt – und für die BLS von einiger Symbolik.
From Olivier Bayard
at 18.05.2026

Mit dem Bau der BN verfolgten ihre Gründer ein grosses Ziel: eine direkte Verbindung von Bern nach Paris. Bis dahin bestand diese nur auf dem Umweg via Biel. Die neue Strecke sollte nicht nur schneller sein, sondern auch mehr internationalen Verkehr auf die geplante neue Lötschbergverbindung lenken. Die Berner Regierung wollte den Kanton als Schlüsselregion zwischen Nordfrankreich und Italien positionieren.

Fast 40 Jahre dauerten die Diskussionen um Linienführung und Finanzierung, bis die Linie am 1. Juli 1901 schliesslich in Betrieb ging. Schon bald darauf rollte mit viel Dampf und grossem Getöse der erste direkte Zug von Paris nach Bern – ein symbolträchtiges Zeichen der damaligen verkehrspolitischen Ambitionen.

Das Gürbetal träumt gross

Auch im Gürbetal weckte diese Aufbruchsstimmung internationale Fantasien: Zunächst als lokale Verbindung der Dörfer im Tal gedacht, entwickelte sich das Projekt der Gürbetalbahn bald zum ambitionierten Gegenentwurf zur vorgesehenen Lötschbergbahn. Statt via Aare- und Kandertal sollte deAnschluss an die Simplonlinie via Gürbe- und Simmental und durch das Wildstrubelmassiv erfolgen. Die GTB wäre damit Teil der internationalen Transitachse Paris-Bern-Mailand geworden!

Die Berner Regierung entschied sich schliesslich gegen dieses Vorhaben, unter anderem, weil Thun und Spiez damit links liegen gelassen worden wären. Die GTB wurde stattdessen als regionale Nebenbahn realisiert, im Süden bis Thun verlängert und westlich von Bern mit der BN verbunden.

Impressionen aus der Geschichte der Gürbetalbahn

Die «Ligne directe» als Tor nach Paris 

Während die GTB regional blieb, spielte der internationale Verkehr für die BN lange eine wichtige Rolle. Von Beginn an bestanden tägliche Tages- und Nachtverbindungen zwischen Paris und Bern. Bald kamen direkte Schlafwagen nach Interlaken dazu    eine Verbindung, die bis 1987 weiterbestand. Hinzu kamen saisonale Luxuszüge, welche die Pariser Haute-volée bei Champagner und Kaviar auf Samtkissen zu den Oberländer Tourismusdestinationen führten.  

Trotz diesem Glamour war der internationale Verkehr auf der BN wirtschaftlich ein Sorgenkind. Um Kosten zu sparen wurde der Fahrplan häufig angepasst, und die internationalen Wagen zunehmend den Regionalverkehrszügen angehängt. Für die Kosmopoliten in Berns Westen hatte dies auch Vorteile: So gelangte man 1912 zum Beispiel umsteigefrei von Bethlehem direkt bis Paris!  

Die Weltkriege und später die aufkommende Konkurrenz der Reisecarunternehmen warfen den internationalen Bahnverkehr immer wieder zurück. Erst in den 1980er Jahren kam es zu einer Renaissance. Grund dafür war der Bau des französischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. 1984 verkürzte die Ausdehnung der TGV-Linien bis Lausanne die Reisezeit von Paris in die Schweiz um anderthalb Stunden. Damit liess die Bahn die Strasse weit hinter sich und schickte sich an, nun sogar dem Flugverkehr Konkurrenz zu machen. 1987 erreichte der erste TGV via Neuenburg Bern. Das war gleich doppelt historisch: Zum ersten Mal verband ein TGV zwei Hauptstädte direkt, und zum ersten (und bis heute einzigen) Mal verkehrte er dazu auf einer Privatbahnstrecke!  

Doch auch diese Ära ging zu Ende, und wieder lag der Treiber dafür in Frankreich: Die Eröffnung des TGV Est nach Strassburg im Jahr 2007 senkte die Fahrzeit Paris-Basel auf gut drei Stunden, was die bis heute schnellste Verbindung in die Schweiz darstellt.  In der Folge gingen die Frequenzen auf dem langsameren Neuenburger Ast kontinuierlich zurück. 2019 fuhr der letzte TGV im Berner Bahnhof ein – zumindest vorläufig das Ende des internationalen Kapitels der BN. 

Impressionen aus der Geschichte der Bern-Neuenburg-Bahn

Von der «Chabisbahn» zur modernen Pendlerbahn 

Ganz anders im lokalen und regionalen Verkehr. In der Gründerzeit wurden GTB wie BN vor allem von Bauern genutzt, die ihre Waren vom «Chabisland» und dem Grossen Moos an den Berner Markt führten. Später sorgte der Pendlerverkehr aus den rasch wachsenden Berner Vororten für Wachstum. Mit der Einführung des Taktfahrplans in den 1980er Jahren und der Integration in die Berner S-Bahn in den 1990er Jahren begann ein Entwicklungsschub, der bis heute anhält. Ausdruck davon waren unter anderem die Verlegung des Bahnhofs Fischermätteli an die Pendlerachse nach Ausserholligen im Jahr 1986 und die Eröffnung der neuen Haltestelle Bern Westside mit Anschluss an die ebenfalls neue Tramlinie in Berns Westen im 2008.  Parallel dazu wurde der Rollmaterialpark schrittweise erneuert, in Abstimmung mit der S-Bahn-Entwicklung erweitert und im Sinne der BLS-Flottenstrategie vereinheitlicht. Grundlage dafür bildete die 1997 erfolgte vollständige Integration der beiden Bahnen in die BLS AG. 

Heute dienen die beiden Jubiläumsstrecken hauptsächlich den Pendler:innen. Wer hätte bei deren Inbetriebnahme gedacht, dass dazu einmal auch die Mitarbeitenden der Betreiberin gehören würden?  

Einer Bahn namens BLS, die es damals noch gar nicht gab, und die sich 124 Jahre später genau dort niederlassen sollte, wo sich BN und GTB treffen: am heutigen Europaplatz!    

Happy Birthday liebe BN und GTB! 
Hst Ausserholligen Europaplatz2913
Neue Haltestelle Bern Ausserholligen mit Anschluss an die Trolleybuslinien nach Bümpliz und Bethlehem. Das heute links angrenzende Gebäude des BLS-Hauptsitzes stand damals noch nicht. Die Umbenennung der Station in «Bern Europaplatz» erfolgte 2014.

125 Jahre Bahngeschichte – Jubiläums-Extrafahrt mit dem «Blauen Pfeil»

Zum 125-Jahre-Jubiläum lädt die BLS-Stiftung zu zwei besonderen Extrafahrten ein: Erleben Sie am Wochenende vom 6. und 7. Juni 2026 eine stilvolle Reise mit dem legendären Blauen Pfeil auf den historischen Strecken – und lassen Sie sich unterwegs in die Zeit der Bahnpioniere zurückversetzen.

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