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Pünktlich wie die Eisenbahn

Im Jahr 2025 waren 96,8 Prozent aller BLS-Züge pünktlich unterwegs. Der Wert steigt seit mehreren Jahren stetig. Pünktlichkeit ist ein hohes Ziel, aber nicht um jeden Preis. Denn manchmal macht es durchaus Sinn, dass ein Zug nicht pünktlich abfährt.
From Matthias Abplanalp
at 29.01.2026

Wieso legen wir in der Schweiz so viel Wert auf Pünktlichkeit? Klarer Fall – die Bahn ist schuld. Mit der Eröffnung der Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Baden und Zürich im Jahr 1847 begann die Ära der verbindlichen Fahrpläne. Zwar kannten schon früher Kutsch- oder Schiffverkehr Fahrzeiten, diese waren aber häufig von Witterung, Wegzustand oder Nachfrage abhängig. Die Eisenbahn schuf exakte Abfahrts- und Ankunftszeiten: Wer um 9 Uhr am Bahnhof stand, konnte sicher sein, dass der Zug fährt. Seit 1944 zählt die legendäre rote Abfahrtskelle auf der Schweizer Bahnhofsuhr unerbittlich die Sekunden herunter. Die Uhr ist so beliebt, dass man sie sogar als Armbanduhr ums Handgelenk binden oder als Wecker auf den Nachttisch stellen kann.

Die BLS wird immer pünktlicher

Die ikonische Bahnhofsuhr steht für ein Versprechen an die Reisenden: Züge fahren pünktlich. Wie gut erfüllt die BLS dieses Versprechen heute? Im Jahr 2025 waren 96,8 Prozent aller BLS-Züge pünktlich unterwegs. Seit 2019 entwickelt sich die Statistik nur in eine Richtung: nach oben. Die positive Entwicklung widerspiegelt sich auch in der Zufriedenheit der Fahrgäste. Gemäss einer Umfrage der BLS empfinden aktuell 90 Prozent der Fahrgäste die Pünktlichkeit als gut bis sehr gut – gegenüber 84 Prozent vor zwei Jahren. Die Tabelle zeigt den Aufwärtstrend der letzten Jahre.

Die Schweiz ist strenger als ihre Nachbarn

Die Schweiz schenkt sich bei der Pünktlichkeitsstatistik nichts. Als pünktlich gelten hierzulande Züge, die mit weniger als 3 Minuten Verspätung verkehren. Unsere Nachbarländer sind weniger streng: In Österreich und Italien sind es 5 Minuten, in Deutschland 6 Minuten, in Frankreich bis zu 10 Minuten.

Möglichst schnell aus- und einsteigen

Im Stop-and-go der S-Bahn entscheiden Sekunden an den Haltestellen über Pünktlichkeit oder Verspätung. Die neuen MIKA-Züge in der S-Bahn-Version verschaffen der BLS die nötigen Sekunden, um den Fahrplan einzuhalten. Die Züge beschleunigen schnell und verfügen über viele und breite Türen – so können die Fahrgäste zügig aus- und einsteigen. Für hohe Pünktlichkeit sorgen aber nicht nur fortschrittliche Züge, sondern auch eine gut zugängliche Infrastruktur. Die BLS hat in den letzten Jahren zahlreiche Bahnhöfe nach den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) modernisiert. Dank stufenfreiem Übergang zwischen Zug und Perron steigen die Fahrgäste schneller ein und aus.

99% aller BLS-Reisenden erreichen ihren Anschlusszug.

Nicht ganz hundert

Durch die Einführung des Taktfahrplans im Jahr 1982 machte die Schweiz die Pünktlichkeit endgültig zur Grundlage ihres Bahnsystems. Denn seither gilt: Verspätungen gefährden Anschlüsse. Deshalb ist die Anschlusspünktlichkeit heute einer der wichtigsten Werte. Und der liegt bei der BLS seit Jahren bei rund 99 Prozent. Bleibt die Frage: Geht überhaupt noch mehr? Klar ist soviel: Der Zenit liegt unterhalb von 100 Prozent, denn Pünktlichkeit ist nicht in jedem Fall das oberste Gebot. Fährt ein Zug pünktlich ab, ist das zwar gut für die Pünktlichkeitsstatistik. Bleiben die Fahrgäste aber am Perron stehen, weil sie wegen eines verspäteten Zugs zu wenig Zeit zum Umsteigen hatten, ist nichts gewonnen. Pünktlichkeit bleibt ein hohes Ziel, aber nicht um jeden Preis.

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