Wolken am Winterhimmel
Aber am einst so strahlend blauen Schweizer Winterhimmel sind Wolken aufgezogen. Es gibt, um bei Vico Torrianis Zeilen zu bleiben, für viele inzwischen doch noch Schöneres, als den Winter in den Bergen zu verbringen. Das machen die Zahlen des Verbandes Seilbahnen Schweiz deutlich: In der Wintersaison 2015/16 ver-brachten Schweizer und ausländische Touristen insgesamt 21,6 Millionen Tage in Schweizer Skigebieten. Vier Jahre zuvor waren es noch 24,8 Millionen, also knapp 15 Prozent mehr.
Zwei Probleme machen dem Skitourismus zu schaffen. Im Zuge des Klimawandels ist der Schnee gerade in tiefer gelegenen Destinationen oft Mangelware. Knapp die Hälfte der Skipistenfläche wird hierzulande technisch beschneit. Zudem fehlt der Nachwuchs. Gemäss einer WEMF-Konsumentenstudie betrug der Anteil der 14- bis 19-Jährigen bei den Ski- und Snowboardfahrern 2001 noch gut 65 Prozent, zehn Jahre später waren es schon fünf Prozent weniger. Und die 20- bis 29-Jährigen werden im Jahr 2021 nur noch die Hälfte aller Ski- und Snowboardfahrer stellen – 2001 waren es noch knapp 60 Prozent. Hinzu kommt, dass rund die Hälfte der unter 16-Jährigen einen Migrationshintergrund aufweisen und so von Haus aus eher weniger mit dem Schneesport in Berührung kommen. Der Trend ist klar: Die Alten verlassen die Pisten und zu wenig Junge rücken nach.
Viele Bergbahnen kämpfen hierzulande deshalb ums Überleben. Nur wer sich früh neu positioniere und sich aus der einseitigen Abhängigkeit vom Skibetrieb löse, habe gute Karten für die Zukunft, sagt Roland Zegg, Inhaber und Geschäftsführer der Grischconsulta, die Tourismusorte und Bergbahnen berät.
Gratis-Skitage für Klassen
Die Tourismusregion Sörenberg Flühli in der Unesco-Biosphäre Entlebuch hat die Herausforderung angenommen. Das Gebiet liegt auf einer Höhe zwischen 1000 und 2100 Metern und gehört damit zu jenen Skidestinationen, die von der Klimaerwärmung besonders betroffen sind. Insbesondere die vergangenen beiden Wintersaisons seien sehr schwierig gewesen, sagt Carolina Rüegg, Direktorin von Sörenberg Flühli Tourismus. «Im November hatten wir viel Schnee, aber ausgerechnet in der besucherstarken Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr war er wieder weg – und aufgrund der Inversionslage war es oft in höheren Lagen selbst für das künstliche Beschneien zu warm.» Obwohl im Februar wieder genügend Schnee auf den Pisten lag und die Saison mit den Sport-Ferienwochen ein bisschen gerettet werden konnte, sucht man in Sörenberg nach Alternativen. Fehlt der Schnee, gibt es für Wanderer mit Fondueplausch oder Bars Gastronomieangebote in der Natur. Um wieder mehr junge Menschen auf die Piste zu bringen, ermöglicht Sörenberg zudem in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Skiverband (Swiss-Ski) Schulklassen Gratis- Skitage in den Bergen. «Vor allem aber investieren wir in den Sommertourismus», erklärt Caroline Rüegg. Dabei macht sich die Tourismusregion ihre spezielle Natur zunutze: Vier Moorlandschaften von nationaler Bedeutung liegen ganz oder teilweise in der Unesco-Biosphäre Entlebuch. Im Sommer sorgt der Moorerlebnispark Mooraculum auf der Rossweid seit fünf Jahren für hohe Besucherzahlen.