Meditative Stimmung
Der Geräuschpegel ist nicht immer gleich hoch, je nachdem, in
welchen Zug oder Bus man steigt. Einerseits findet man sich
inmitten einer lauten Party samt Musik aus der Konserve
wieder,
andererseits kann die Stimmung selbst im öffentlichen
Weltcup-Verkehr plötzlich meditativ sein. Die Zugreisenden
kommen von überall her. Da sind die Jugendlichen aus Buchs
und Altstätten, die morgens um 6 Uhr im St. Galler Rheintal den
Zug Richtung Bern bestiegen haben und jetzt das Lied «D’ W.
Nuss vo Bümpliz» anstimmen – zwar nicht auf Berndeutsch,
aber immerhin. Oder da sind Damien und Johan, die um 8 Uhr in
Sitten losgefahren und über Brig «très vite» nach Frutigen gelangt
sind. Warum Adelboden? «Wegen des Sports, wegen der
Ambiance.» Die Zugreisenden haben nicht nur Bier im Gepäck.
Zu sehen sind auch assortierte Walliser Plättli mit Käse und Trockenwurst.
Oben in Adelboden gehen einige zum Fondue- oder Raclette-
Schmaus über, wenige Meter vom Pistenrand entfernt, mitten
im Schnee. Rechauds verrichten ihre Arbeit auch hier. Die Alpen-
Chilbi
ist in vollem Gang. Fähnlein werden geschwenkt, Fahrer
stürzen sich den Zielhang hinunter. Treicheln, Handorgeln, Schlagermusik
aus Lautsprechern, die Worte des Speakers und das
Geschrei im Publikum legen dazu den Weltcup-Soundtrack. Nebeneinander,
nacheinander und manchmal sogar miteinander.
«Einwandfreie Fahrt»
Die Rückreise erfolgt gleichmässiger, weil die meisten Gäste
nach dem Rennen nicht zur Stunde X am Ort Y sein müssen wie
noch am Morgen. Am Ausgang des Weltcup-Dorfes stehen die
Busse und Cars bereit. Nicolas, Fabio, Christian und Laurent, aus
Freiburg angereist und mit Hasenmützen bestückt, machen sich
auf den Rückweg. «Alles ist tadellos, sympathisch, auch die
Fahrt auf der Schiene und auf der Strasse funktioniert einwandfrei», sagen sie, «letztes Jahr waren wir in Kitzbühel, jetzt war
Adelboden an der Reihe. Wir kommen wieder.» Auch die Familie
Zünd macht sich auf den Weg nach Hause. Tanja, Rainer, Fabio
und Silvan wohnen in Aadorf, wo sie morgens um 6.30 Uhr
abgefahren
sind. Sie machen sich geschäftliche Beziehungen
zunutze. Rainer arbeitet für die auf mobile Tribünen spezialisierte
Firma Nüssli, die den Zielraum in Adelboden ausrüstet. Doch
jetzt war einmal die Familie dran. «Die Stimmung war gut und
friedlich», sagen sie auf dem Perron in Spiez, wo sie auf den
Intercity
in Richtung Zürich HB umsteigen.
Text: Peter Birrer und Peter Bader
Bilder: Peter Mosimann / zVg