Fensterblick

Die Höcker von Huttwil

In Huttwil leben 4967 Menschen, unzählige Schafe – und sechs Kamele. Auf die einen trifft man bereits bei der Anreise im Zug, auf die anderen nach einem 20-minütigen Spaziergang Richtung Schwarzenbach. Hier liegt der idyllische Bauernhof Spycher-Handwerk der Familie Grädel. Die Farm mit verschiedensten tierischen Wolllieferanten bietet unerwartete Einblicke in ein nicht alltägliches Handwerk.

Wo kommt die Wolle her? Wie wird sie verarbeitet und was wird daraus gemacht? Antworten auf diese Fragen hält der Bauernhof Spycher-Handwerk bereit, der sich auf die Verarbeitung des Rohstoffs Wolle spezialisiert hat. Wer den Betrieb nicht an einer Führung, sondern auf eigene Faust entdecken möchte, kann auf dem «Weg der Wolle» einfach dem roten Faden folgen. Dieser führt Besucherinnen und Besucher über den Hof, vorbei an seltenen Schafen und Ziegen, durch die Schaukarderei und den Waschraum bis hin zum grossen Verkaufsladen.

Das Wissen über die Tiere und die Verarbeitung des Rohstoffs kann man sich an Infotafeln aneignen – noch spannender ist der Blick über die Schulter der Mitarbeitenden.«Wenn immer es die Zeit erlaubt, begleiten wir unsere Gäste bei der Besichtigung und erzählen ihnen etwas über unsere Tiere und die verschiedenen Arbeitsschritte der Wollverarbeitung. Für die Kinder ist meist der Stall das Highlight, insbesondere wenn wir Jungtiere haben. Wie die kleine Mohairziege, die heute zur Welt kam. Aber auch unsere Kamele sorgen immer wieder für erstaunte Gesichter. Unser Hof ist eine Art Abenteuerspielplatz mit vielen Tieren zum Bestaunen und Streicheln», erzählt Alexander Grädel, Leiter der Bereiche Landwirtschaft, Karderei und Wäscherei.

Waschen, kardieren, färben

Seit über 100 Jahren ist der Hof im Besitz von Familie Grädel. Vor gut 40 Jahren wurde er in eine Schaffarm mit Wollverarbeitung umgewandelt. Die Wollverarbeitung umfasst vom Waschen, Färben, Kardieren bis hin zum Spinnen alle dazugehörigen Arbeitsschritte. Die Arbeit beginnt im Waschraum, hier dampft es aus dem Kessel. Ein Mitarbeiter knetet vorsichtig Wollflocken in einem 60 Grad heissen Wasserbad. «Beim Waschen der Wolle ist insbesondere darauf zu achten, dass sie nicht verfilzt, deshalb knete ich sie nur sanft, ohne zu reiben. Danach wird die Wolle ausgewindet. Je nach Verschmutzungsgrad wiederhole ich den Vorgang bis zu dreimal», erklärt Walter Wenger durch die dunstige Luft. Das Kardieren, sprich das Öffnen und Kämmen der Fasern, wird im Familienbetrieb auch für grosse Mengen angeboten. So rattert und stampft es in der Verarbeitungshalle, während Interessierte dabei zusehen können, wie die geschorene Wolle als breites flauschiges Vlies die imposante Kardiermaschine verlässt. Was wird aus dem Material eigentlich alles hergestellt?

Nebenan im riesigen Verkaufsladen lässt sich über die Vielfalt an Produkten staunen: Bunt gefärbte Wollknäuel türmen sich bis zur Decke, davor finden sich Kleider, Accessoires, Spielsachen, weiter hinten lagern Teppiche, flauschige Schaffelle und Bettwaren. Nicht nur Wollprodukte, auch Webstühle und Spinnräder, die heute nur noch selten zu finden sind, werden angeboten.

Wer traut sich auf das Kamel?

Vor dem Gebäude trampeln sechs Kamele über die Wiesen, so gemütlich wie selbstverständlich. Sie passen mit ihren Höckern bestens in die hügelige Landschaft, und trotzdem überrascht ihr Anblick – und beeindruckt: Zwischen 180 und 230 Zentimeter gross und bis zu 700 Kilogramm schwer sind die ausgewachsenen Trampeltiere. Für Klein und Gross gilt: Wer sich traut, kann eingeklemmt zwischen den Höckern eine Runde um den Hof reiten. Erfahrene Helferinnen und Helfer führen die Kamele entlang einer schönen Route und beantworten den Gästen gerne alle Fragen über den Hof und die Tiere. Wussten Sie zum Beispiel, dass Kamelwolle nebst Schafwolle für die Herstellung von Bettwaren verwendet wird?

Übernachten in der Jurte

Umgeben von den Kamelen, können Gäste von April bis Oktober auf dem Hof übernachten, gut geschützt in gemütlich eingerichteten mongolischen Jurten. Die traditionellen Nomadenzelte bieten Platz für Familien und Reisegruppen. Zur Ausstattung gehören natürlich Wollwaren vom Hof, die einen angenehmen Schlaf versprechen. Gestärkt durch das reichhaltige Frühstück im hofeigenen Bistro, kann es am nächsten Morgen losgehen auf die Entdeckungsreise rund um die Wollverarbeitung.

Weitere Informationen

«Spycher»-Handwerk AG

Mo.–Fr.: 08.00–12.00 Uhr, 13.30 –18.00 Uhr 
Sa.:         08.00–16.00 Uhr

Der Besuch des «Wegs der Wolle» ist kostenlos und benötigt keine Voranmeldung. Kurse auf Anmeldung: Es können verschiedenste Kurse rund ums Filzen, Spinnen und Weben besucht werden. Reservieren Sie frühzeitig! Die Wochenenden, Ferien- und Feiertage sind sehr beliebt und oft schon Monate im Voraus ausgebucht.

ProSpecieRara-Arche-Hof Huttwil

Wo andernorts das Gras durch Kühe kurz gehalten wird, trifft man auf den Weiden des Spycher-Handwerks auf Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas und Kamele. Die Familie Grädel hat sich der Pflege von bedrohten Tierrassen angenommen und im Jahr 2006 den ProSpecieRara-Arche-Hof gegründet. Dazu gehören zum Beispiel Walliser Landschafe, Spiegelschafe, Wollschweine, aber auch Hühner und Pommernenten.

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Die Jurte ist ein rundes Zelt. Im Innern stehen links und rechts zwei Betten, hinten in der Mitte an der Wand ein kleiner Tisch mit Spiegel.  In der Mitte der Jurte ist ebenfalls ein kleiner Tisch mit 3 kleinen Stühlen in einer Reihe. Viel ist in der Farbe Rot gehalten und mit wunderschönen Mustern verziert.
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