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Neuenburg – Zeitreise in die Belle Époque

Neuenburg ist ein Juwel. Die am Hang gelegene Stadt beeindruckt mit verwinkelten Gässchen, Seepromenaden und imposanten Bauten aus der Belle Époque. Und genau dorthin wollen wir zurück, in die Zeit der pompösen Feste, des schillernden Alltags und der heiteren Lebenslust. Begleiten Sie uns auf einer Tour durch die Stadt, erleben Sie mit uns einen kulinarischen Höhenflug und lassen Sie sich von der Kultur begeistern. Auf gehts!

8.08 Uhr – Neuenburg, wir kommen!

Mit dem RegioExpress geht es kurz nach acht los, vorbei an Kerzers und Ins, in die Stadt mit dem grössten See, der komplett auf Schweizer Boden liegt. Vom Bahnhof Neuenburg machen wir uns auf zum Tourismusbüro, wo wir uns für die selbst geführte Tour «Neuchâtel à la Belle Epoque» anmelden. Ganz ohne Begleitperson, dafür aber mit Streckenplan und einer Broschüre mit Hintergrundinformationen.

9.15 Uhr – Schwimmerin, Strassenkunst und Schokolade

Der Stadtrundgang besteht aus 22 Posten mit interaktivem Touch; immer wieder gibt es etwas zu kosten, spielen oder entdecken. Die Tour ist gut zu Fuss machbar. Unterwegs erfahren wir, wie sich Madame und Monsieur ernährt haben, welche Spiele für Unterhaltung sorgten und welche Kleider sich schickten. Die Frauen trugen zum Beispiel lange, taillierte Kleider, einen Mantel mit Fellbesatz, Handschuhe und einen opulenten Hut. Im Zentrum von Neuenburg angekommen, machen wir einen kurzen Abstecher auf die Rue des Chavannes. Alle zwei Jahre bemalen etablierte Kunstschaffende die treppenähnliche Strasse neu und verleihen der Gasse ihren aussergewöhnlichen Charme. Nicht weit von hier entdecken wir eine Wand, die mit Werbeplakaten des Schokoladenpioniers Suchard tapeziert ist. Beim Confiseur und Chocolatier Wodey Suchard erhalten wir dann auch gleich eine kleine Kostprobe in Form von vier kleinen Schokoladentäfelchen mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und sind überzeugt: Schokolade macht eben doch glücklich.

10.45 Uhr – Bonjour madame!

Es geht weiter Richtung See. Beim schönen Jugendstilrestaurant Le Cardinal gibt es einen stärkenden Kaffee, bevor wir uns an den nächsten Posten wagen: die Degustation des verruchten Absinth-Schnapses. Bevor wir uns ein Gläschen gönnen, müssen wir aber zuerst die Flasche finden. Der Beschrieb in der Broschüre hilft uns weiter, bald schon entdecken wir eine kleine Box beim Brunnen vor dem «Cardinal». Mit einem Chipschlüssel, der zur Tourausstattung gehört, öffnen wir die Box und kosten den Absinth. Wer die jungfräuliche Variante bevorzugt, kann den Absinth-Sirup ohne Alkohol kosten. Gleich um die Ecke, auf der Place Pury, wartet bereits die nächste Entdeckung: Das schmucke Kioskhäuschen, ein typisches Relikt aus der Belle Époque, beherbergt einen Raum, der im Innern an eine Strassenbahn aus vergangener Zeit erinnert. Wir setzen uns in die Bahn und richten unseren Blick auf die nachgestellten Fenster und sehen gleich selbst, was sich auf den Strassen von Neuenburg alles abgespielt hat: Eine eindrückliche Animation versetzt uns mehr als 100 Jahre zurück. Zum Schluss der Tour flanieren wir über den Quai Ostervald. Die Uferpromenade galt in der Belle Époque als Laufsteg für extravagante Roben und Gewänder. Mit Parka und Frühlingsjacke fühlen wir uns zwar ein bisschen underdressed, geniessen aber trotzdem die Aussicht über den See. Nach einem Abstecher auf den Aussichtssteg Utopia, der rund 20 Meter in den See hinausragt, landen wir bei zwei eisernen Gestalten. Die Frau mit subtilem Lächeln und gekleidet im schicken Kleid ist dem grüssenden Herrn mit Hut zugewandt. Kennen sich die beiden? Sind sie verabredet? Oder treffen sie sich ganz zufällig? Wer weiss, die beiden wollen es uns nicht verraten. Uns soll es recht sein, langsam treibt uns der Hunger weiter, und wir beenden den Rundgang.

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    12.15 Uhr – Mittagessen wie ein König

    Beschwingt durch die Zeitreise durch glamouröse Jahre gönnen wir uns heute ein Mittagessen im gehobenen 5-Sterne-Restaurant des Pfahlbau-Hotels Palafitte. Die kleine, aber feine Karte bietet Gerichte aus regionalen und saisonalen Zutaten, immer mit dem gewissen Etwas. Während sich Laura die «Tajine vom Lammfilet mit Zitronenkonfit und Kürbis» gönnt, geniesst Christoph die «Seezunge Müllerinnenart mit Champagner-Sabayon». Beide Gerichte überzeugen vollends. Und wer nach dem Königsmal etwas schläfrig wird, kann sich hier gleich einquartieren: Jedes der 38 Zimmer ist ein 58 Quadratmeter grosser Pfahlbau über dem See und besitzt eine Terrasse mit Leiter, die zum Bad in den Neuenburgersee einlädt. Wir entscheiden uns stattdessen für einen Kaffee auf der Terrasse und geniessen heute bereits zum zweiten Mal die Sicht über den See.

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      13.45 Uhr – hoch hinaus

      Ein Hausberg ist die ideale Gelegenheit, sich einen Überblick über eine Stadt zu verschaffen. Deshalb machen wir uns nach dem Mittagessen auf zur Standseilbahn, die uns auf den Chaumont bringt. Oben angekommen staunen wir über den Weitblick: Sowohl der Neuenburger- als auch der Bieler- und der Murtensee erstrecken sich vor uns. Wer schwindelfrei ist, kann für einen Franken auf den 60 Meter hohen Panoramaturm klettern und die Aussicht auf 1087 Metern geniessen. Rund eine Stunde später haben wir genug gesehen und machen uns auf den Weg zurück ins Herz der Stadt. Von der Place de Pury aus spazieren wir ins ethnografische Museum MEN.

      15.30 Uhr – das Wunderwesen Mensch

      Die Ethnografie beschreibt den Teil der Völkerkunde, der sich mit den Merkmalen der verschiedenen Kulturen systematisch auseinandersetzt. Klingt spannend, wir wollen mehr über den Menschen und seine Kuriositäten erfahren. Die ganze Sammlung des Museums umfasst 50 000 Stücke, wovon jeweils rund 1000 ausgestellt sind. Wir bewegen uns zwischen den Schätzen aus Afrika, der ehemaligen UdSSR, dem antiken Ägypten, Ozeanien und Europa. Während einige davon eine Geschichte aus längst vergangenen Tagen erzählen, finden sich auch Kunstwerke der Gegenwart in der Ausstellung. Die originelle Bildersammlung von afrikanischen Frisuren bringt uns zum Staunen, so auch die bunten Federschmuckstücke aus Papua-Neuguinea. Verschiedene Diplomatengeschenke aus sämtlichen Ecken der Welt runden die Ausstellung ab. Für heute haben wir genug gesehen, gehört, getestet und erlebt. Auf dem Weg zum Bahnhof hängen wir unseren Gedanken nach. Voller neuer Eindrücke steigen wir in den Zug, lassen den Tag Revue passieren. Und freuen uns bereits auf den nächsten Besuch in der faszinierenden Stadt Neuenburg. 

      Text: Laura Marti
      Bilder: Rolf Siegenthaler

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        Die Belle Époque – die Zeit der Reichen und Schönen

        Besonders bekannt ist Neuenburg durch seine Rolle als beliebter Ausflugs- und Ferienort während der Belle Époque, also der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Jahre sind geprägt durch Aufschwung, schillernde Feste und grosse Zuversicht. Die materielle Sicherheit und der lang anhaltende Frieden erlauben es, eine gewisse Sorglosigkeit an den Tag zu legen. Schauplätze der Belle Époque sind vornehmlich belebte Boulevards, Cafés und Cabarets, Ateliers und Galerien sowie Konzertsäle und Salons, die Protagonisten kommen aus dem mittleren und gehobenen Bürgertum. Sie profitieren vom wirtschaftlichen Wachstum und vom enormen technischen Fortschritt. So werden Strassen elektrisch beleuchtet, bald auch schon die privaten Haushalte. Die gehobene Gesellschaft hat zudem bereits fliessend Wasser.

        Nicht für alle Schichten ist die Zeit aber so sorglos; die Industriearbeiter sowie die niedrigen Angestellten kehren nach einem harten Arbeitstag immer noch in die lichtarmen Hinterhofquartiere zurück und können sich Annehmlichkeiten wie ein eigenes Automobil oder Ferien nicht ansatzweise leisten.

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          Geführte Stadtbesichtigung «Neuchâtel à la Belle Époque»

          Das Tourismusbüro bietet geführte Touren für bis zu 20 Personen an. Auch der geführte Rundgang ist interaktiv; zehn auf die Belle Epoque bezogene Experimente sorgen für Unterhaltung. Die geschichtlichen Inputs der Tourenführer und die kulinarischen Abstecher runden das Erlebnis perfekt ab.

          • Führungen (auf Anfrage) sind das ganze Jahr möglich
          • Max. 20 Personen pro Führung
          • Preis : CHF 185.00 pro Tourenführer
          • Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch

          Der Chaumont

          Der Chaumont bietet mehr als eine bestechende Aussicht: Nebst einem Kinderspielplatz finden Sie hier eine Ranch mit Pferden und Ponys für Ausritte und Kutschenfahrten, einen Kletterpark und einen Pfad mit 17 Skulpturen zur Entwicklung der Erde.
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          Einzelner Kopfschmuck mit Federn. Die Federn stammen von vielen verschiedenen Vögel und haben dadurch ganz unterschiedliche Farben und Formen.
          Ethnografisches Museum Neuenburg
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          Zeitpfad Chaumont
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