«Als der IR56 am 28. November des vergangenen Jahres aufgrund eines grossen Eröffnungsanlasses erstmals offiziell im Bahnhof Basel einfuhr, erfüllte uns das mit spürbarem Stolz», sagt Oli Specker, Leiter Fernverkehr bei der BLS. Bis zu diesem Moment waren jedoch drei Jahre intensiver Vorarbeit vergangen. Specker erinnert sich an unzählige Besprechungen, Entscheide und Detailfragen von Rollmaterial über Personalplanung bis hin zu den konkreten Fahrplänen und der Vermarktung der neuen Linie. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm Meilensteine wie die Einigung mit der SBB, die mit dem IC51 dieselbe Linie wie die BLS bedient – ebenfalls im Stundentakt, aber zeitlich versetzt –, der Entscheid zur Beschaffung von sieben neuen MIKA-Zügen und schliesslich die erste Fahrt selbst.
«Jeder Modelleisenbahner würde die Landschaft genau so gestalten.»
Schon beim Einstieg in Biel sind lobende Worte zu hören. «Sehr praktisch», sagt eine Mutter mit Kinderwagen und zwei weiteren Kindern. «Das geht ja nicht bei allen Zügen so easy.» Gemeint ist der Niederflurzug MIKA, der für die BLS auch auf anderen Linien im Einsatz steht. Kaum ist der IR56 unterwegs, zeigt sich, wie abwechslungsreich die Strecke zwischen Biel und Basel ist.
«Jeder Modelleisenbahner würde die Landschaft genau so gestalten», schwärmt Lokführer Tino Birk. «Weite Flächen, Hügel, viele Tunnel und dazu diese netten Bahnhöfe.» Kurz nach der Abfahrt öffnet sich der Blick, bunte Felder ziehen am Fenster vorbei. Später rücken die Jurahügel näher, die Strecke wird enger. «Nach Moutier fährt der Zug durch den schweizweit kürzesten Tunnel», erzählt Birk. Zwischen Moutier und Delémont folgt die Linie dem Tal, in Laufen begleitet die Birs den Zug ein Stück. Hinter Laufen kurz vor Aesch kommt für den Lokführer ein besonderer Moment. «Wenn auf dem Hügel das Schloss Angenstein auftaucht und wir direkt darunter im Tunnel durchfahren – das ist pure Eisenbahnromantik.»
Die kurzweilige Fahrt zwischen Biel und Basel dauert etwas mehr als eine Stunde – genug Zeit, um die Landschaft zu geniessen oder entlang der Strecke neue Orte zu entdecken. Wer weiss, vielleicht entstehen unterwegs sogar neue Lieblingsorte. In Biel etwa beginnt der Tag für viele mit einem Kaffee im kultigen Atomic Café. Direkt am Bahnhofplatz gelegen, ist es Treffpunkt für Einheimische und Reisende sowie Kulturort und Arbeitszimmer zugleich.
Auch Grenchen Nord hat seinen eigenen Reiz. Für viele Pendlerinnen und Pendler ist der Bahnhof ein wichtiger Knotenpunkt. Wer etwas frische Luft braucht, spaziert in zwei Minuten zum Stadtpark oder nutzt eines der PubliBikes im BLS-Look. Fragt man Einheimische in Moutier nach ihrem Geheimtipp, punktet vor allem das Musée Jurassien des Arts. Nur zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, ist ein Besuch dort mehr als lohnenswert.
In Delémont schwärmt Tino Birk vom Café Werth mit Pâtisserie: «Wenn ich hier einen kurzen Zwischenaufenthalt habe, gehe ich gerne hin und werde im Lokführeroutfit immer superfreundlich empfangen.» Auch Oli Specker machte neue Entdeckungen entlang der Strecke. In Laufen stiess er in Bahnhofsnähe auf die Schokoladenmanufaktur Othmar Richterich. «Ein kleiner Umweg, der sich lohnt – die Schokoküsse sind einmalig», schmunzelt er. Ein schönes Beispiel dafür, wie eine neue Linie nicht nur Städte verbindet, sondern auch den Blick für Orte schärft.
Mit der Ankunft in Basel endet die Reise an einem perfekten Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen. Die pulsierende Stadt am Rhein begeistert mit einer reichen Museen- und Galerienlandschaft, hübschen Boutiquen und einladenden Cafés. Der IR56 ist mehr als eine neue Verbindung im Fahrplan. Er ist das Ergebnis einer Zukunftsvision, von grossem Engagement, Know-how und Teamarbeit. Die Strecke verbindet die Regionen zwischen Biel und Basel, erzählt zudem Geschichten und lädt zu neuen Entdeckungen ein.
Anmerkung: Der Beitrag erschien erstmals in der Juni-Ausgabe des Magazins «Trouvaille».