Naturereignisse aller Art
«Bei der Verarbeitung des Unfalls half mir der Gedanke, dass ich mit meinem Verhalten Menschenleben retten konnte», erinnert er sich. «Und dass die BLS unmittelbar nach dem Unfall die Lawinenschutzbauten verstärkte.» Die doppelspurige Lötschberg-Bergstrecke zwischen Frutigen und Brig wurde 1913 eröffnet und ist auch heute noch eine wichtige Nord-Süd-Verbindung für Menschen und Waren. Allerdings führt die knapp 75 Kilometer lange Strecke zu grossen Teilen durch alpine Natur und ist damit entsprechenden Gefahren ausgesetzt. Der Unfall von 1978 belegt dies eindrücklich. Neben Lawinenniedergängen drohen vor allem Steinschläge oder Murgänge. In der Geschichte der Bergstrecke kam es bisher zu insgesamt 77 solchen Naturereignissen. Die wichtigste Erkenntnis: Kein Mensch verlor dabei sein Leben. In 38 Fällen konnten Steine oder Lawinen durch Schutzvorrichtungen zurückgehalten werden, in 16 Fällen wurde das Trassee beschädigt – was Streckenunterbrüche von bis zu sechs Tagen nach sich zog.
Viel Geld in vier Jahren
Damit solche Naturereignisse auch weiterhin möglichst glimpflich verlaufen, investiert die BLS laufend in entsprechende Schutzmassnahmen – «allein in den vergangenen vier Jahren rund 2,5 Millionen Franken an der Lötschberg-Nordrampe», wie Nicole Viguier, Fachverantwortliche Naturgefahren bei der BLS, bemerkt. An der Südrampe, erläutert sie, müsse das Trassee vor allem vor Lawinenniedergängen geschützt werden. Auf der Nordseite gingen die Gefahren insbesondere von grossflächigen Felswänden mit bisweilen lockeren Gesteinspartien aus. Zu den jüngst installierten Schutzvorrichtungen entlang der Bergstrecke gehört zum Beispiel ein Steinschlagnetz beim Eingang zum Kehrtunnel auf der Nordrampe. Nach heutigem Stand der Technik können solche Netze Energien von bis zu 8000 Kilojoule aufnehmen. 1000 Kilojoule entsprechen dabei etwa der Energie eines 5-Tonnen-Blocks, der aus einer Höhe von 20 Metern frei herunterfällt.
Wenn der Draht reisst
«Natürlich kann es zu viel massiveren Steinschlägen kommen, denen auch die modernsten Netze nicht widerstehen können», sagt Hans Bettschen, BLS-Forstmeister an der Lötschberg-Nordrampe. Auch für solche Fälle ist vorgesorgt: Trifft der erste Stein auf die Netzte, wird ein feiner Draht durchtrennt, der durch das gesamte Netz verläuft. Dadurch wird automatisch ein Alarm ausgelöst und zwischenzeitlich die Stromversorgung der verkehrenden Züge unterbrochen. Danach können die Züge mit gebotener Vorsicht weiterfahren, bis die Ursache des Alarms geklärt ist. «Nicht jeder Stromunterbruch bedeutet Gefahr für die Strecke und die verkehrenden Züge», relativiert Hans Bettschen. «In den meisten Fällen handelt es sich um kleine Steine, die den Draht durchtrennen, oder um Fehlalarme, ausgelöst durch Kurzschlüsse.»