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Spiez – Der Spiess im See

Spiez kennen die meisten irgendwie. Und irgendwie auch nicht. Deshalb nehmen wir das Städtchen mit all seinen Vorzügen einmal genauer unter die Lupe – und sind begeistert.

Während die Rebberge die schönsten Farbnuancen hervorzaubern, spiegelt der Thunersee das sanfte Sonnenlicht, und die Berge bilden den imposanten Kontrast dazu. Nebst den visuellen Eindrücken punktet die Seestadt aber auch mit Kultur und Kulinarik – kommen Sie mit, und erleben Sie einen Tag in Spiez mit uns.

08.39 Uhr – auf nach Spiez

Wir nehmen den RegioExpress Lötschberger von Bern nach Spiez. Als wir nach rund 30-minütiger Reise in Spiez ankommen, sind wir fit und munter. Kaum aus dem Bahnhof raus, bietet sich bereits der erste Wow-Effekt: die Aussicht auf die Bucht, den Hafen, den See und die Bergwelt. Ein kurzer Blick in die Karte, und wir wissen, dass wir hier das Sigriswiler Rothorn, das Niederhorn und den Beatenberg vor uns haben. Wir schultern unsere Rucksäcke und gehen Richtung Spiezer Rebberg.

10.00 Uhr – Reben, wohin das Auge sieht

Die gemütliche Rundwanderung durch den Spiezer Rebberg ist einmalig. Unterwegs entdecken wir immer wieder Infotafeln, die uns allerlei Wissenswertes mit auf den Weg geben. Wussten Sie, dass diese Rebberge zu den höchstgelegenen nördlich der Alpen gehören? Und der September der wichtigste Monat für ein Weingut ist? Jetzt erreichen die Früchte die ideale Reife, jeder Sonnentag ist Gold wert. Wir schnuppern und tasten uns durch sechs Erlebnisposten, bevor wir nach rund eineinhalb Stunden zum Katzenstein kommen.

11.30 Uhr – Kraft tanken auf der Katze

Wieso der Felsbrocken Katzenstein genannt wird? Anscheinend ähnelt der Stein vom Wasser her gesehen an einen schnurrenden Vierbeiner. Der erratische Block gilt seit Jahrhunderten als Kraft- und Energieoase, der perfekte Ort für eine kurze Verschnaufpause. Wir klettern auf den Katzenstein und machen es uns gemütlich. Während die Grillen zirpen und im Hintergrund ein Traktor brummt, drücken die Sonnenstrahlen langsam durch die Wolken. Die tolle Aussicht, die sich von hier aus bietet, rundet den Moment ab.

12.15 Uhr – so schmeckt Spiez

Rund zehn Minuten vom Katzenstein entfernt befindet sich das Hotel und Restaurant Eden, das in seinem Bistro die berühmte Spiezer Wysuppe anbietet. Hier fühlen wir uns sofort willkommen: Das edle Ambiente, die eleganten Kellner und die erlesene Speisekarte tragen ihren Teil dazu bei. Verfeinert mit Oberländer Rohschinken und Schnittlauchöl, wird die schaumige Suppe vor unseren Augen in die Teller gegossen. Die Spiezer wissen, was sie machen: Die Suppe ist köstlich. Den Wein spürt man heraus, beschwipst wird man davon aber nicht.

13.30 Uhr – Probe liegen im Schloss

Nach dem Mittagessen geht es weiter: Die Hoffräuleins Maria und Laura statten dem Schloss einen Besuch ab. Hier erfahren wir so einiges aus dem Leben der mittelalterlichen Schlossherren und deren Familien. Besonders beeindruckend sind die gut ausgestattete Schlossküche und der frühbarocke Festsaal. Und im Gegensatz zu vielen anderen Museen ist Anfassen erlaubt: Altertümliche Gewänder und zwei Ritterhemden stehen vornehmen Hofdamen und mutigen Rittern zur Anprobe bereit. Wer sich kurz ausruhen will, darf im altertümlichen Bett Probe liegen. Nach ausgiebigem Rumschmökern in den alten Gemächern zieht es uns wieder an die frische Luft: Vom Schlossturm aus geniessen wir das atemberaubende 360-Grad-Panorama.

15.00 Uhr – dem See entlang

Wir machen uns auf den Weg nach Faulensee. Der Strandweg startet in der Spiezer Bucht und ist gut auch mit dem Kinderwagen machbar. Während stolze Buchen mit ihren in den See hängenden Ästen eine Art Tunnel für Spazierende bieten, finden wir immer wieder lauschige Plätzchen am Seeufer: Diverse Bänke, Stege und Rasenflächen laden zum Picknicken, Sonnenbaden oder Pausieren ein. Wir setzen uns auf den nächsten Seesteg und lassen die Seele baumeln.

Kurz vor Faulensee kreuzen wir den Fischereistützpunkt und den Piratenspielplatz für Kinder. Rund 40 Minuten dauert der Spaziergang, und wir kommen auch schon in Faulensee an.

Für besonders Sportliche: Bis zum 25. September vermietet die Bootsfahrschule Lüthi in Faulensee Kanus. Wer es wagen will, kann mit dem Kanu bis Spiez fahren und das Boot dort abgeben.

16.20 Uhr – Wind in den Haaren

Zum Abschluss nehmen wir das Dampfschiff «Blümlisalp» (täglich bis 14. Oktober, danach Samstag und Sonntag bis 4. November ein Motorschiff) zurück in den Spiezer Hafen. Wir nutzen die kurzen zwölf Minuten für einen kleinen Schwatz mit Kapitän Beat Hodel. Bereits über 31 Jahren bei der BLS, geniesst er jede Fahrt: «Wieso ich Kapitän geworden bin? Sehen Sie sich diese Aussicht an, dann verstehen Sie es.» Und wir verstehen, der Ausblick auf den See, die schaukelnden Boote, die Bergkette und den weiten Himmel sind einmalig. Beat Hodel hat als Metallbauschlosser bei der BLS angefangen: «Unsere Leute stammen alle aus handwerklichen Berufen. So können sie im Sommer auf dem Schiff arbeiten und in den kalten Monaten die Schiffe auf Vordermann bringen.» Er hat hier zudem schon einigen Prominenten die Hand geschüttelt, «Lilo Pulver, Adolf Ogi oder auch Kofi Annan sind nur drei bekannte Namen darunter.»

Und schon ist die Fahrt vorbei. Wer den Wind gerne etwas länger in den Haaren spüren möchte, kann in rund einer Stunde über Gunten bis nach Thun fahren. Für uns geht es langsam nach Hause. In gemütlichem Tempo spazieren wir zum Bahnhof und nehmen den nächsten Zug nach Bern. Adieu Spiez, wir kommen wieder!

 

Text: Maria Van Harskamp und Laura Marti
Bilder: Rolf Siegenthaler

Das Wunder von Spiez

Am 4. Juli 1954 hat die deutsche Fussballnationalmannschaft während der WM den Favoriten Ungarn im Finale geschlagen: Vor rund 60 000 Zuschauern wurden die Deutschen im Berner Wankdorfstadion Weltmeister. Interessant: Die deutsche Nationalmannschaft logierte während dieser Zeit im Hotel Belvédère in Spiez. Hier auf dem Spiezer Strandweg hat sich Trainer Sepp Herberger die Taktik für die WM-Spiele zurechtgelegt. Kapitän Fritz Walter sagte damals in einem Interview: «Der gute Geist von Spiez hat alles dazu beigetragen, dass die Mannschaft das Wunder von Bern erreicht.» Diverse Tafeln, die den Strandweg säumen, erzählen die Geschichte nach.

Spiez und seine Namensgebung

Der Ortsname stammt wahrscheinlich vom althochdeutschen «Spioz», Spiess. Er beschreibt die Landzunge, auf der das Schloss Spiez steht und die wie ein Spiess in den See ragt. Eine andere Erklärung deutet auf das gallische Wort «Spijates» hin, was Dornen bedeutet – also auch etwas Spitzes. Die in beiden Versionen beschriebenen Spitzen sind auf dem Spiezer Wappen zu sehen.

Bahnhof Spiez

Aussteigen möglich seit: 1. Juni 1893
Kanton: Bern
Höhe über Meer: 627,7 m
Nächste Anschlüsse: Buslinien, Schiffe, Nachtnetz (moonliner.ch)
Angebote: BLS Reisezentrum, E-Auto (Vermietung und Ladestation), Mobility, P+R

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