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«Viel Licht und Weite» – ein Interview mit Karin Woodtli

Karin Woodtli (43) ist die Leiterin der Stöcklikäserei. Sie arbeitet seit 3 Jahren in der Emmentaler Schaukäserei und wohnt auch gleich da.

Karin Woodtli, was fasziniert Sie am Käsen?

Dass man aus Milch viele verschiedene Produkte herstellen kann. Die doch sehr sensible und schnell verderbliche Milch wird durch das Käsen zu einem schmackhaften und lagerfähigen Produkt.

Welcher Schritt im Ablauf ist der heikelste? Warum?

Für mich ist es vom Handwerk her das Schneiden der Gallerte nach dem Eindicken der Milch. Hier legt der Käser/die Käserin fest, ob es einen Weich-, Halbhart- oder Hartkäse geben soll. Die Korngrösse und deren Beschaffenheit sind dabei wesentlich und müssen mit einer guten Beobachtungsgabe, viel Feingefühl und vor allem Erfahrung erreicht werden.

Wieso sind Sie Käserin geworden?

Ich habe nicht den Beruf Käserin gelernt. Ich habe erst eine Lehre als Laborantin und dann eine Ausbildung zur Aktivierungsfachfrau HF gemacht. Das Käsen habe ich auf der Alp gelernt, wo ich immer wieder im Sommer arbeite. Das Verarbeiten der Milch bereitet mir viel Freude und ich lerne immer wieder dazu. Milch und Käsen sind so lebendig wie die Menschen, die uns in der Emmentaler Schaukäserei besuchen. Die Arbeit im Stöckli ist eine Kombination aus den drei beruflichen Bereichen: Für die Käsequalität braucht es das Wissen der Laborantin, für das Handwerk die Kenntnisse über das Käsen mit einfachen Hilfsmitteln und für das Stöcklikäsen mit den Gästen die Freude am Umgang mit Menschen aus der Aktivierung.

Wie hat sich der Beruf des Käsers in den letzten 100 Jahren gewandelt?

Der Beruf ist vom Handwerk zu einem zunehmend technischen Beruf geworden. Dies spiegelt die heutige Berufsbezeichnung «Milchtechnologe/Milchtechnologin» gut wider.

Wie sehen Sie die Zukunft des Berufs?

Das ist für mich als Nicht-Käserin schwierig zu sagen. In dem Umfeld, in dem ich mich bewege, sehe ich zunehmend einen Trend zu Spezialitäten. Die Kunden wollen wissen, woher das Produkt kommt und was für Werte dahinterstehen. Dazu leisten wir auch hier in der Emmentaler Schaukäserei einen wichtigen Beitrag. Auf der Gegenseite ist der Preisdruck auf die Lebensmittel sehr hoch und die Lebensmittelindustrie wird auch weiter auf günstige Produktionswege setzten müssen.

Welches ist Ihr Lieblingskäse?

Käse esse ich täglich – die Sorte ist abhängig von Tageszeit und Menüwahl. Eine Käseplatte mit verschiedenen Käsesorten finde ich etwas Wunderbares. Ich bevorzuge Produkte aus Rohmilch, weil sie für mich reicher an Geschmack sind.

Was mögen Sie an Affoltern?

Affoltern ist ein wunderschöner, etwas höher gelegener Ort. Man hat hier oben viel Licht und Weite, schaut ins hügelige Emmental und in die Berner Alpen. Das Dorf ist klein und ruhig, die Emmentaler Schaukäserei ein lebendiger Begegnungs- und Erholungsort für Menschen aus aller Welt. 

Interview: Mia Hofmann

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