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Im Bienenstock des europäischen Güterverkehrs

Der Güterverkehr erlebt in Europa herausfordernde Zeiten. Baustellenbedingte Zugsausfälle und kurzfristige Änderungen des Fahrplans erfordern stets grosse Flexibilität von allen beteiligten Mitarbeitenden. Nichts verdeutlicht dies so stark wie ein Besuch in der Leitstelle von BLS Cargo, wo rund um die Uhr geschäftiges Treiben den Alltag bestimmt.
Von Colin Cuvit
am 07.01.2026
Cargo Header Piazza def
Mit Senior Agent Zorka Kristic blicken wir hinter die Kulissen der Disposition von BLS Cargo AG

Man glaubt es bereits vor dem Eintritt summen und brummen zu hören. Wenn sich dann die unscheinbare Bürotür der Leitstelle von BLS Cargo am Europaplatz in Bern öffnet, fühlt man sich als Besucher dann endgültig an einen Bienenstock erinnert. Das Telefon klingelt praktisch durchgehend, Infomeldungen an den Bildschirmwänden leuchten auf und dazu kommen Besprechungen der anwesenden Mitarbeitenden. Rasch wird klar, in der Disposition – dem Herzstück der Betriebssteuerung – herrscht geschäftiges Treiben. 

Nach kurzer Überforderung lässt sich im vermeintlichen Chaos aber Ordnung erkennen. Die kreisrund angeordneten Arbeitsplätze bilden eine Zentrale, in welcher verschiedene Aufgaben wahrgenommen werden. Wenig überraschend ist die Schichtkoordination von besonderer Bedeutung: «Bei der Schichtleitung laufen alle Fäden zusammen» erklärt Zorka Kristic, Senior Agent bei BLS Cargo. «In der Ausbildung lernen wir rasch die «Ohren zu öffnen», also nur die für uns relevanten Informationen in der ganzen Hektik herauszufiltern» so Zorka Kristic weiter.  Gerade diese Fähigkeit ist für die jeweilige Schichtleitung zentral, um den Überblick zu behalten. 

In ganz Europa ausschwärmen

Neben der Schichtleitung sitzen die Mitarbeitenden, welche sich um die Lok- und Personaldisposition kümmern, also die Einsatzplanung für Lokführer:innen sowie die Bereitstellung der Loks an den unterschiedlichen Standorten. Sowohl Loks- als auch Lokführer:innen «schwärmen» europaweit aus und in der Disposition wird deren Einsatz überwacht und koordiniert. 

Kommt es zu Verspätungen oder Ausfällen, gilt es Ersatz oder Schichtübernahmen zu organisieren. Im grenzüberschreitenden Güterverkehr ist dies eine Herausforderung. Im Jargon spricht man in der Disposition von der «Rettung der Züge», wenn es nach einem Ausfall einer Verbindung gelingt, rechtzeitig Ersatz zu organisieren. «Wenn ein neuer Plan aufgeht, ist das immer ein Erfolgserlebnis» freut sich Zorka. Schliesslich ist es nicht ganz einfach die Lokomotiven und das Personal in der Schweiz oder über den ganzen Kontinent zu verschieben. 

Auf den grossen Bildschirmwänden sieht man unter anderem anhand des GPS-Trackings, wo die Züge von BLS Cargo aktuell durch Europa fahren. Von besonderer Bedeutung ist die Nord-Süd-Achse. Denn vorwiegend bewegen sich die grünen Punkte von den grossen Häfen wie beispielsweise in Antwerpen im Norden über Deutschland, durch den Lötschberg- und Gotthardtunnel bis tief in den Süden nach Italien. Ein einzelner Punkt bewegt sich aber auch gen Osten durch Polen. Diese Güterwaggons übergibt BLS Cargo später an ein anderes Unternehmen und diese werden schlussendlich beispielsweise nach China transportiert, während die Lok wieder zurückkehrt.

Teilweise müssen neben der regulären Disposition somit auch unerwartete Zusatzaufgaben übernommen werden: «Wenn ein Lokführer zu Randzeiten oder in der Nacht ankommt, müssen wir auch mal kurzfristig Hotelbuchungen vornehmen oder ein Abendessen fürs Lokpersonal organisieren» erklärt Zorka.

Trotz Sprachen-Wirrwarr, die Kommunikation funktioniert

Um die Kundenbeziehungen, Datenpflege und die eigentliche Verkehrssteuerung kümmert sich das «Customer Care Center». «Häufig transportieren wir Lebensmittel. Zum Beispiel Nespresso-Kapseln. Aber auch Kies, Sand oder sogar Pneus finden sich auf unseren Zügen» beschreibt Gaia Longo, Customer Care Agent, die Vielfalt der transportierten Güter.

Rasch wird in diesem Bereich auch der internationale Faktor des Güterverkehrs deutlich. Egal ob Englisch, Deutsch, Italienisch oder Französisch, die anwesenden Mitarbeitenden meistern Anfragen in vielerlei Sprachen. Verspätete Lieferungen aus Antwerpen, besetzte Gleise in Domodossola oder Baustellen in Deutschland, hier wird konkret, was internationale Zusammenarbeit wirklich bedeutet. Etwas was auch die meisten Mitarbeitenden begeistert: «Es läuft immer etwas und wird nie langweilig», bestätigt Gaia Longo, während hinter ihr das Telefon klingelt und neue E-Mails eingehen.

 
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Die vereinfachte Netzkarte von BLS Cargo
Und so wird nach dem kurzen Rundgang hinter der unscheinbaren Bürotür im 1. Obergeschoss im BLS-Hauptgebäude eines deutlich: Hier öffnet sich ein Fenster nach Europa – und im vermeintlichen Chaos sorgen die Mitarbeitenden mit grossem Engagement für Ordnung, damit der Güterverkehr trotz vieler aktueller Herausforderungen relevant bleibt. 

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