Man glaubt es bereits vor dem Eintritt summen und brummen zu hören. Wenn sich dann die unscheinbare Bürotür der Leitstelle von BLS Cargo am Europaplatz in Bern öffnet, fühlt man sich als Besucher dann endgültig an einen Bienenstock erinnert. Das Telefon klingelt praktisch durchgehend, Infomeldungen an den Bildschirmwänden leuchten auf und dazu kommen Besprechungen der anwesenden Mitarbeitenden. Rasch wird klar, in der Disposition – dem Herzstück der Betriebssteuerung – herrscht geschäftiges Treiben.
Nach kurzer Überforderung lässt sich im vermeintlichen Chaos aber Ordnung erkennen. Die kreisrund angeordneten Arbeitsplätze bilden eine Zentrale, in welcher verschiedene Aufgaben wahrgenommen werden. Wenig überraschend ist die Schichtkoordination von besonderer Bedeutung: «Bei der Schichtleitung laufen alle Fäden zusammen» erklärt Zorka Kristic, Senior Agent bei BLS Cargo. «In der Ausbildung lernen wir rasch die «Ohren zu öffnen», also nur die für uns relevanten Informationen in der ganzen Hektik herauszufiltern» so Zorka Kristic weiter. Gerade diese Fähigkeit ist für die jeweilige Schichtleitung zentral, um den Überblick zu behalten.
In ganz Europa ausschwärmen
Neben der Schichtleitung sitzen die Mitarbeitenden, welche sich um die Lok- und Personaldisposition kümmern, also die Einsatzplanung für Lokführer:innen sowie die Bereitstellung der Loks an den unterschiedlichen Standorten. Sowohl Loks- als auch Lokführer:innen «schwärmen» europaweit aus und in der Disposition wird deren Einsatz überwacht und koordiniert.
Kommt es zu Verspätungen oder Ausfällen, gilt es Ersatz oder Schichtübernahmen zu organisieren. Im grenzüberschreitenden Güterverkehr ist dies eine Herausforderung. Im Jargon spricht man in der Disposition von der «Rettung der Züge», wenn es nach einem Ausfall einer Verbindung gelingt, rechtzeitig Ersatz zu organisieren. «Wenn ein neuer Plan aufgeht, ist das immer ein Erfolgserlebnis» freut sich Zorka. Schliesslich ist es nicht ganz einfach die Lokomotiven und das Personal in der Schweiz oder über den ganzen Kontinent zu verschieben.
Auf den grossen Bildschirmwänden sieht man unter anderem anhand des GPS-Trackings, wo die Züge von BLS Cargo aktuell durch Europa fahren. Von besonderer Bedeutung ist die Nord-Süd-Achse. Denn vorwiegend bewegen sich die grünen Punkte von den grossen Häfen wie beispielsweise in Antwerpen im Norden über Deutschland, durch den Lötschberg- und Gotthardtunnel bis tief in den Süden nach Italien. Ein einzelner Punkt bewegt sich aber auch gen Osten durch Polen. Diese Güterwaggons übergibt BLS Cargo später an ein anderes Unternehmen und diese werden schlussendlich beispielsweise nach China transportiert, während die Lok wieder zurückkehrt.
Teilweise müssen neben der regulären Disposition somit auch unerwartete Zusatzaufgaben übernommen werden: «Wenn ein Lokführer zu Randzeiten oder in der Nacht ankommt, müssen wir auch mal kurzfristig Hotelbuchungen vornehmen oder ein Abendessen fürs Lokpersonal organisieren» erklärt Zorka.