Fensterblick

Weltklasse aus Wasen

Die Firma PB Swiss Tools beliefert aus dem Emmental die ganze Welt mit hochwertigen Werkzeugen und medizinischen Instrumenten – und ist ein Vorzeigebeispiel der Schweizer Wirtschaft.

Wer in Wasen an der Haltestelle «Bahnhof» aus dem Bus steigt, steht direkt davor: Hinter dem weissen Industriebau mit den roten Fenstern verbirgt sich Schweizer Spitzenqualität und moderne Technik. Alles begann 1878 in der Wasener Dorfschmiede. Dort wurden damals vor allem Nasenringe für die Zähmung von Ochsen produziert. Paul Baumann, Grossvater des heutigen technischen Direktors Max, übernahm 1916 die Schmiede. Er gründete das Familienunternehmen PB Baumann GmbH. Sein Sohn hatte 1953 den genialen Einfall: Er erfand den legendären Schraubenzieher mit dem roten Holzgriff.

2016: 12 Millionen Werkzeuge

Heute ist der Griff aus Cellulose-Aceto-Butyrat. Dazu gemischt wird ein bisschen Vanille, um der Entwicklung von schlechten Gerüchen in geschlossenen Werkzeugkisten vorzubeugen. Mittlerweile umfasst das Sortiment über 3000 Artikel. Dazu gehören Hämmer, Meissel, Drehmomentwerkzeuge, Biketools oder medizinische Instrumente – Handwerkzeuge für Profis, immer mehr aber auch für Heimwerker und Heimwerkerinnen. PB Swiss Tools, so heisst die Firma seit 2006, produzierte 2016 12 Millionen Werkzeuge und exportierte davon zwei Drittel, vorab nach Europa und Asien.

Der Name steht für 100 Prozent Swissness. Alle Produkte werden ausschliesslich in Wasen und Sumiswald entwickelt und produziert. PB Swiss Tools ist eine der wenigen exportorientierten Firmen, die komplett auf den Standort Schweiz setzen. Das ist angesichts des starken Frankens keine Selbstverständlichkeit. Einerseits sei das ein Bekenntnis zum Produktionsstandort Schweiz, betont Eva Jaisli, die zusammen mit ihrem Mann Max Baumann das Unternehmen als CEO führt. Andererseits verleihe man dem Unternehmen so ein Gütesiegel für Qualität und Innovation: «Das hohe Ausbildungsniveau und die enge Kooperation mit Experten renommierter Schweizer Hochschulen fördert unsere Innovationsfähigkeit.»

Jobsharing mit vier Kindern

PB Swiss Tools ist einer der wichtigsten Arbeitgeber im Emmental: Der grösste Teil der 150 Mitarbeitenden stammt aus der Region. Dazu gehören rund 15 Lernende. Jährlich investiert das Unternehmen 20 Prozent des Umsatzes in die Qualitätssicherung und in die Entwicklung neuer Produkte. Massgebend für Letzteres seien vor allem die Bedürfnisse und Rückmeldungen der Kundinnen und Kunden, sagt Eva Jaisli. Allein 2016 sind 100 neue Produkte entstanden.

Die für das Emmentaler Unternehmen typischen bunten Griffe der Werkzeuge sollen durchaus auch die Atmosphäre von Industriehallen aufhellen. Die Farbcodierung dient aber vor allem zur raschen Erkennung einzelner Werkzeuge. Oder zur Personalisierung: In einer Gruppe von Arbeitern kann jedem eine individuelle Farbe zugeteilt werden.

Eva Jaisli (58) und Max Baumann (63) führen das Familienunternehmen in vierter Generation. Gleichzeitig sind sie Eltern von vier Kindern. Möglich sei das nur mit perfektem Jobsharing gewesen, erklärt Eva Jaisli: «Mein Mann und ich haben uns die Arbeit geteilt – und zwar zuhause und in der Firma.»

 Text: Peter Bader
Bilder: Anita Vozza

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