Wenn es an der Südrampe brennt

Das Übungsszenario der Feuerwehr in Naters Anfang September hatte es in sich: Ein Schutzwald-Abschnitt der BLS geht nahe der Bahnstrecke in Brig in Flammen auf. Ein Erlebnisbericht, wie Rettungsorganisationen im Ernstfall reagieren. Und ein Blick hinter die Kulissen, wie die BLS im sich wandelnden Klima Bränden in ihrem Schutzwald vorbeugt.
Von Colin Cuvit
am 15.09.2026

Meterhohe Flammen neben der Bahnstrecke entlang der Lötschberg-Südrampe, ein erschreckendes und herausforderndes Szenario für alle Beteiligten. Die Übungssituation, welche die Feuerwehr Anfang September in Naters trainierte, mag drastisch wirken. Sie ist jedoch nicht unrealistisch, wie verschiedene Waldbrände in Frankreich, Spanien oder Kanada in diesem Sommer zeigten. Und so bekämpfen an diesem Samstag verschiedene Einsatzkräfte die Flammen eines fiktiven Waldbrands nahe des Bahnhofs Brig. Neben klassischen Feuerwehrfahrzeugen erregen auch der Lösch- und Rettungszug der SBB und ein Löschhelikopter in luftiger Höhe Aufmerksamkeit. 

Während schon ein «normaler» Waldbrand eine Herausforderung darstellt, erschweren hier gleich verschiedene Faktoren die Löscharbeiten. Steile Hänge, eine befahrene Bahnstrecke, gefährliche Hochspannungsanlagen und eine anspruchsvolle Wasserzufuhr aus der im Tal liegenden Rhone. Um all diese Herausforderungen zu bewältigen, hatten die Einsatzkräfte der Feuerwehr, sowie der SBB und BLS hatten alle Hände voll zu tun, wie unsere Reportage vor Ort zeigt.

Reportage Feuerwehrübung BLS Schutzwald

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Einsatzleiter Pierre Andenmatten (Feuerwehr Naters) und Ferdi Pfammatter (BLS Forst) berichten von der Waldbrandübung.

10 Millionen Bäume an exponierter Lage

Der Wald, der an diesem Tag «brennt», ist jedoch nicht nur in der Übungsanlage speziell. Es ist der BLS-Schutzwald entlang der Bergstrecke an der imposanten Lötschberg-Südrampe. Rund 10 Millionen Bäume zwischen Brig und Hohtenn schützen seit Jahrzehnten die Bahnlinie und damit Fahrgäste sowie unsere Mitarbeitenden im Zug vor Naturgefahren wie Steinschlag, Lawinen und Murgängen (s. Grafik). 

Für den Erhalt und die Widerstandsfähigkeit des Schutzwalds ist der BLS-Forstdienst zuständig. Neben klassischen Arbeiten wie Holzschlag und Waldpflege trägt dieses Team in vielerlei Hinsicht auch wesentlich zur Prävention von Waldbränden bei. 

Karte Schutzwald
Kartenansicht des BLS-Schutzwalds an der Lötschberg-Südrampe

Hitzewellen, brennbare Biomasse und angepasste Wiederaufforstung

Eine Aufgabe, welche an Bedeutung gewinnt, wie nicht nur die Feuerwehrübung verdeutlicht. Gemäss der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL wird die Waldbrandgefahr durch das künftig zu erwartende mildere Klima, ausgeprägte Hitzewellen, reduzierte oder gar ausbleibende Niederschläge ansteigen. Verbunden mit den ebenfalls häufiger auftretenden Sturmereignissen und der Ausbreitung von Waldschädlingen bleibt im Wald ausserdem mehr brennbares Astmaterial und Biomasse liegen. Dadurch können Waldbrände nicht nur häufiger auftreten, sondern auch grösser ausfallen. 

Bewässerung unter sich ändernden Bedingungen

Eine Besonderheit des Schutzwalds ist ausserdem die Bewässerung. Um den Wald gezielt aufzuforsten und bewirtschaften zu können, wurden im gesamten Gebiet rund 100 km Wasserleitungen verlegt, was ihn zum einzigen bewässerten Schutzwald der Schweiz macht. In regelmässigen Abständen werden die unterschiedlichen Abschnitte gewässert, der jeweilige Abschnitt etwa alle zwei bis drei Wochen.

Die Bewässerung ist jedoch aufwändig und angesichts zunehmender Wasserknappheit infolge des Klimawandels eine wachsende Herausforderung. Weniger Wasser bedeutet, dass Bäume langsamer wachsen, anfälliger für Schädlinge sind und damit absterben. Diese Folgen schwächen die Stabilität des Waldes und begünstigen, dass Lawinen und Murgänge weniger wirksam aufgehalten werden. 

In Zusammenarbeit mit der WSL läuft daher aktuell ein mehrjähriges Forschungsprojekt der BLS. Im Rahmen des Projekts wird geprüft, wie verschiedene Baumarten des Schutzwalds auf eine Reduktion oder gar Einstellung der Bewässerung reagieren. Untersucht wird zudem, wie widerstandsfähig die verschiedenen Baumarten gegenüber Verbiss und anderen Einflüssen von Wildtieren sind. Daraus lassen sich in Zukunft Massnahmen zum Einsatz unterschiedlicher Baumarten für den Schutzwald an der Südrampe ableiten. Erste Resultate des Projekts werden Ende 2026 erwartet. 

Unterstützung hinter der Flammenfront

Es befindet sich also ohnehin ein «Wassernetz» mitten im Wald. Könnte dieses nicht auch für den Kampf gegen einen Waldbrand genutzt werden? «Jein» lautet die kurze Antwort auf die Frage. In der ersten Phase eines Waldbrands eher «Nein», denn es wäre schlicht zu gefährlich das Forstpersonal in den brennenden Wald zu schicken und die Leitungen zu öffnen. Dazu würde es auch länger dauern, das entsprechende Reservoir und die Leitungen zu füllen. In der zweiten Phase aber eher «Ja», denn wenn die Feuerwalze durch ist, könnten die Bewässerungsanlagen durchaus dabei unterstützen, Glutnester oder glimmende Waldmoderfeuer zu löschen.

 
Einsatzkarte bung
Wasserleitungen (blau) im Übungsabschnitt des Schutzwalds
Nachdem die Rettungsschläuche zusammengerollt sind und der Lösch- und Rettungszug ins Depot zurückgekehrt ist, besprechen alle Beteiligten die wichtigsten Erkenntnisse des Tages. Dabei wird noch einmal allen klar: Für einen wirksamen Schutz der Fahrgäste, Züge, der Strecke und nicht zuletzt der Natur spielen Waldbrandprävention und insbesondere eingespielte Abläufe zwischen den Rettungsorganisationen und dem Forst zusammen. Damit die Südrampe möglichst nie in Flammen steht, und wenn doch, dass diese rasch gelöscht werden.

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