Fokus

Lokale Vielfalt im Glas

«Aus der Region, für die Region»: Was für Lebensmittel schon länger gilt, erfasst nun auch den Getränkemarkt. Wer regionale Produkte kauft, unterstützt nicht nur die lokale Wirtschaft, er entdeckt auch viel Spannendes fernab des industrialisierten Standardangebots.

Der Berner Yves Bütikofer (38) gab 2014 seinen sicheren und gut bezahlten Bürojob auf und stieg in den hart umkämpften Getränkemarkt ein. «Ich wollte immer schon etwas selber produzieren. Etwas, das aus der Region stammt und sauber und fair hergestellt wird. Ein Produkt mit Identität.» Er pröbelte in seiner Küche im Breitenrainquartier an Mischgetränken mit Fruchtsäften herum, und schon bald war die Marke «Bänz» geboren. Mit der Mosterei Hurni in Ferenbalm fand er einen Partner, bei dem er seine Früchte pressen und seine Getränke herstellen konnte. Das Prinzip ist einfach: Apfelsaft wird mit einem Teil Wasser und je nach Produkt mit Kirschen-, Himbeer-, Cassis-, Rhabarber- oder Traubensaft gemischt. Nach der Klärung wird das Fruchtgetränk bei 80 Grad pasteurisiert. Alle Früchte stammen von Landwirten oder Weinbauern aus der Region: Die Etiketten zeigen, von welchen genau. Angeboten werden die Getränke ebenfalls in der Region. Einerseits in Bars und Restaurants, andererseits in kleinen Läden. «Bänz» mauserte sich schnell zu einem In-Getränk. 2015 wurden 20’000 Flaschen verkauft, 2016 stieg die Produktion auf 40’000 Flaschen, und für die aktuelle Saison ist die Herstellung von 80’000 Stück geplant.

Fruchtgetränk ohne Zusatzstoffe

«Im Gegensatz zu den industriellen Produkten verwenden wir nur Direktsaft und kein Konzentrat sowie keine Zusatzstoffe», sagt Bütikofer. «Die Konsumenten in unserem Land sind bereit, für bessere Qualität und besseren Geschmack ein wenig mehr zu zahlen.» Mit dem Erfolg seiner Marke ist er zufrieden: 2016 hat Bütikofer das Konzept auch im Raum Zürich umgesetzt – mit einer Mosterei in Maschwanden und regionalen Lieferanten. Gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Friedli lancierte er jüngst auch noch einen lokal produzierten Wodka. «Mit dem Hanz-Vodka verfüge ich über ein zweites Standbein.»

Yves Bütikofer trifft mit seinen Produkten den Nerv der Zeit. «Immer mehr Konsumenten achten auf die Herkunft der Produkte», stellt er fest. In der Tat: Seit gut zehn Jahren ist ein gesellschaftlicher Gegentrend zur Globalisierung und zur Industrialisierung zu beobachten. «Regionalisierung» nennen die Zukunftsforscher das Phänomen. «Back to the roots» (zurück zu den Wurzeln) heisst es nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch beim Handwerk, wo alte Berufe eine Renaissance erleben.

Sehr gut spürbar war der Trend der Regionalisierung in der Bierbranche, wo gegen Ende der Neunzigerjahre nahezu ein Monopol von Grosskonzernen drohte. Als Gegenreaktion entstanden viele lokale und regionale Brauereien, so auch 1999 in Burgdorf (Burgdorfer Bier) und 2000 in Solothurn (Öufi-Bier).

«Bier braucht Heimat»

«Den Wunsch nach Regionalität spürt man beim Bier sehr gut», sagt Oliver Honsel, Braumeister und Betriebsleiter der Burgdorfer Gasthausbrauerei. Das gelte in Burgdorf ganz besonders: «Die 8000 Aktien unserer Brauerei sind in den Händen von 5600 Aktionärinnen und Aktionären, die bereit sind, ihren Beitrag dafür zu leisten.» Nicht umsonst setzt das Unternehmen auf den Slogan «Bier braucht Heimat». Mit dem Geschäftsgang ist Honsel sehr zufrieden. «Von 1500 Hektolitern am alten Standort im Restaurant Schützenhaus haben wir die Produktion nach dem Umzug ins Kornhaus auf 8000 Hektoliter gesteigert. Damit sind wir jetzt schon die viertgrösste Brauerei im Kanton Bern.» Der Beitrag zur Biervielfalt sei seinem Unternehmen wichtig, betont Honsel. «Es macht Freude, den Konsumenten und Bierfreunden eine breite Geschmacks- und Aromenpalette anzubieten und sie immer wieder Neues entdecken zu lassen.»

David gegen Goliath beim Mineralwasser

Dass auch traditionsreiche Unternehmen den Regionalisierungstrend zu spüren bekommen, beweist das Beispiel der Mineralquellen Adelboden AG. Das Unternehmen fasst Wasser aus einer Quelle, die zu den höchstgelegenen Europas zählt. Es stammt aus dem Raum Schwandfeldspitz im Berner Oberland und wird auf seiner Reise durch die Gesteinsschichten mit vielen Mineralien angereichert. «Wir sind mit dem Geschäftsgang sehr zufrieden und können uns als einziges Mineralwasser des Kantons Bern gut gegen die grossen, internationalen Konzerne behaupten», sagt Geschäftsführer Patrick Marti. Nicht immer sei es aber leicht, konsequent auf regionale Rohstoffe zu setzen. «Für unsere Near-Water-Produkte wie Apfelschorle oder Holunder-Melisse haben wir Mühe, genügend Äpfel, Holunder, Brombeeren und Himbeeren aus der Region beschaffen zu können.»

Wie wichtig das Thema Regionalisierung auch für das Adelbodner Mineralwasser ist, beweist die Tatsache, dass das Unternehmen neu auf Schwingerkönig Matthias Glarner als Markenbotschafter setzt. Der Slogan «Die doppelte Kraft aus dem Berner Oberland» soll neben dem hohen Calciumgehalt des Wassers auch die Qualitäten des Schwingers aus Meiringen herausstreichen. «Mit ihm wollen wir das Oberland talübergreifend verbinden und unsere Regionalität verstärken», sagt Geschaftsführer Patrick Marti. Das gelingt bisher gut: «Wir sind mit unseren Resultaten im Detailhandel und in der Gastronomie, aber auch in Spitälern und Heimen sehr zufrieden», unterstreicht Marti und fügt mit einem Schmunzeln an: «Natürlich wären wir sehr gerne auch bei der BLS präsent.»

 

Text: Thorsten Kaletsch
Bilder: Céline Koller/Stephan Bögli/zVg

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