Focus

Joël-Luc Cachelin über...

...seine persönliche Einstellung zur Digitalisierung:

Ich bin ein starker Nutzer und Befürworter der Digitalisierung. In meiner beruflichen Funktion bin ich aber Diplomat und weise Unternehmen einerseits auf die Chancen, andererseits aber auch auf die Gefahren der Digitalisierung hin. Ich finde es sehr wichtig, beide Aspekte sichtbar zu machen.

...die Treiber der Digitalisierung:

Treiber sind einerseits alle, welche die Digitalisierung als Effizienztechnologie nutzen. Durch digitale Technologien lassen sich Kosten senken und Arbeitsplätze einsparen. Dann jene, die Soft- und Hardware, etwa Apps, herstellen. Und dann die Unternehmen, die durch die Digitalisierung neue Märkte erschliessen können. Google könnte zum Beispiel durch die vorhandenen Daten eine künstliche Intelligenz bauen. Facebook könnte im Sicherheitsbereich tätig sein, weil das Unternehmen Gesichtern eine Identität zuordnen kann. Uber könnte im Infrastrukturbau – zum Beispiel für U-Bahnen – arbeiten, weil die Firma versteht, wie sich Menschen bewegen. Bei all diesen drei Bereichen geht es also um Geld, das letztlich die Digitalisierung antreibt. Die vorhandenen Daten geben diesen Unternehmen aber auch eine neue Macht. Beim Social Engineering erhalten wir zum Beispiel Vorschläge, wen wir treffen können oder welche Hotels wir buchen sollen. Das birgt auch Gefahren, wenn die Ziele des Engineerings nicht transparent sind.

...die neuen Fähigkeiten, welche die Digitalisierung erfordert:

Vieles läuft auf die Kompetenz der Selbstreflexion hinaus. Wir müssen unsere Stärken und Schwächen künftig noch besser kennen. Und letztlich müssen wir unsere Fähigkeit, Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen, noch weiter kultivieren. Maschinen können uns Antworten liefern, aber nur wir Menschen sind in der Lage, Fragen zu stellen.

Dr. Joël Luc Cachelin ist Ökonom und Zukunftsforscher. Er hat an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaftslehre studiert und zur Zukunft des Managements doktoriert. 2009 gründete er seinen eigenen Think-Tank «Wissensfabrik», der sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung befasst.

Er hat im Stämpfli Verlag zwei neue Bücher veröffentlicht:  «Offliner – Die Gegenkultur der Digitalisierung» (2015) und «Update! Warum die digitale Gesellschaft ein neues Betriebssystem braucht» (2016).

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