Die BLS kümmert sich um Mitarbeitende, die ihren angestammten Job nicht mehr ausüben können. Thomas war 17 Jahre lang Lokführer bei der BLS und arbeitete nachts auf Bahnbaustellen, bis die Sehkraft seines rechten Auges immer schwächer wurde. Heute hat sich Thomas an diese Einschränkung gewöhnt und sogar eine neue Berufung gefunden.
Von Traxler Tamara
am 24.03.2026
Diebesgut auf Polizeiposten abholen, Videos von Überwachungskameras sichern und zerstörte Zugteile fotografieren. Das sind heute Thomas Krähenbühls tägliche Aufgaben. Seit zwei Jahren ist er bei der BLS im Dienst der Spurensicherung. Ein Job, der ihn glücklich macht und erfüllt, wie er sagt. Doch dafür musste Thomas seine bisherige Leidenschaft, das Zügefahren, aufgeben. 
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Unterwegs mit der Spurensicherung: Thomas Krähenbühl berichtet von seinem Jobwechsel.

«Auf einmal habe ich gemerkt, dass ich auf dem rechten Auge zackige Linien sehe. Das Bild verschwamm immer mehr und ich sah nur noch lückenhaft», erinnert sich Thomas an die Zeit vor vier Jahren. In der Augenklinik hatte er dann erfahren, dass er an einer sogenannten feuchten Makuladegeneration leidet. Dabei wachsen immer neue Gefässe in die Netzhaut und verursachen Schwellungen oder Blutungen. Das führt zu verzerrtem oder verschwommenem Sehen. «Ich habe selbst eingesehen, dass ich so nicht mehr Züge fahren kann. Dies wurde mir dann auch bei der periodischen Prüfung vom Facharzt nochmals bestätigt.» Diese traurige Gewissheit musste Thomas erstmal verdauen. «Es war ein Schreckmoment für mich. Mir gingen viele Fragen durch den Kopf: Stehe ich nun auf der Strasse? Finde ich mit knapp 60 Jahren überhaupt noch einen Job?», berichtet er.

Bei der Personalabteilung der BLS fühlte er sich stets gut aufgehoben. Zusammen mit dem HR-Berater Marc Scaccia habe er geschaut, welche Tätigkeiten für ihn noch infrage kommen würden. Im BLS-Podcast «Integration», unten auf der Seite verlinkt, erklärt Marc Scaccia, wie die BLS Mitarbeitende in schwierigen Lebenssituationen unterstützt. «Am Anfang fiel Thomas in ein Loch. Aber wir konnten sehr schnell gemeinsam Lösungsansätze entwickeln. Thomas hat dabei auch Fähigkeiten an sich entdeckt, die er als Lokführer bisher kaum gebraucht hat. Wie zum Beispiel sein Flair fürs Disponieren und Organisieren», erinnert sich Marc Scaccia.

Thomas’ Motto: nicht aufgeben

Gestartet hat Thomas Krähenbühl nach seiner Diagnose mit leichten Büroarbeiten und im Magazin des Fahrleitungsdienstes. «Dort habe ich Material für die Bahnbaustellen vorbereitet und vor Ort ausgeliefert», erklärt Thomas. Danach wurde ihm ein Platz in der Betriebsleitung des Autoverlads in Kandersteg angeboten. «Da ich dort auch Früh- und Spätdienst hatte und weiter weg wohne, bin ich mit dem Auto zur Arbeit gependelt. Durch die tägliche Arbeit am PC war mein gesundes Auge jedoch überlastet. Beim nächtlichen Autofahren musste es sich noch mehr anstrengen. Das wäre fast verheerend geendet: Mehr als einmal hatte ich einen sogenannten Sekundenschlaf.» Die Augenärzte rieten Thomas Krähenbühl daraufhin, einen anderen Job zu suchen. Erneut meldete er sich bei der Personalabteilung der BLS. «Mein Motto ist, einfach nicht aufzugeben. Und so hatte ich dann beim vierten Anlauf Glück», freut sich der 61-Jährige.

Unterwegs im Dienst der Spurensicherung

Der Zufall wollte es, dass die Abteilung Security der BLS gerade jemanden für die Videodaten- und Spurensicherung suchte. Ein idealer Job für Thomas, der sich schon lange danach sehnte, wieder mehr draussen unterwegs zu sein. «Ich bin nicht der Typ, der gerne stundenlang am PC sitzt. Schon gar nicht mit meinem schwachen Auge», erklärt Thomas. Und so ist er nun schon seit zwei Jahren wieder auf dem BLS-Netz unterwegs – mit offiziellem Auftrag.

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Mittlerweile sind alle BLS-Züge mit Videokameras ausgerüstet. Letztes Jahr mussten rund 1'100 Festplatten gesichert werden.
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Feuerlöscher und Nothämmer sind beliebtes Diebesgut. Es gehört auch zu Thomas Krähenbühls Aufgaben, dieses auf Polizeiposten abholen zu gehen. Ein aus einem Zug entwendeter Nothammer wird mit bis zu 400 Franken in Rechnung gestellt.
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«Meine Frau hat mir geraten, einen Schrittzähler zu kaufen. Ich komme jeden Tag auf über 10'000 Schritte – der neue Job hält mich also auch fit», freut sich Thomas.
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Mittlerweile sind alle BLS-Züge mit Videokameras ausgerüstet. Letztes Jahr mussten rund 1'100 Festplatten gesichert werden. Die Polizei meldet der BLS beispielsweise, dass in einem Zug eine Tasche gestohlen wurde. Thomas hat dann 72 Stunden Zeit, den betroffen Zug auf dem BLS-Netz abzufangen und die Festplatte auszubauen. Denn nach Ablauf der 72 Stunden werden die Videoaufnahmen aus Datenschutzgründen wieder gelöscht. Als Erstes schaut Thomas also am Morgen am PC im Einsatzplan, wo der Zug unterwegs ist. Er prüft auch gleich weitere Meldungen und stellt sich so sein Tagesprogramm zusammen. Neben Thomas bauen auch die Mitarbeitenden der BLS-Werkstätten Videofestplatten aus, wenn sich ein betroffener Zug gerade in der Werkstätte befindet. Diese Festplatten holt Thomas dann vor Ort ab.

Die Stelle passt zu Thomas, er ist flexibel und sich gewohnt unregelmässig zu arbeiten. Er ist auf dem ganzen BLS-Netz unterwegs, fährt also durch zehn Kantone und arbeitet immer gegen die Zeit. Das macht ihm aber nichts aus: «Auf dem Laptop kann ich auch unterwegs kurz schauen, wo ein Zug aktuell steht und meine Tour so optimal für mich zusammenstellen». So geht er auch mal am Wochenende an einem Bahnhof vorbei, um eine Festplatte aus einem Zug auszubauen. Das kann er gut mit einem Ausflug mit seiner Frau und seinen beiden Hunden kombinieren. «Meine Frau hat mir geraten, einen Schrittzähler zu kaufen. Ich komme jeden Tag auf über 10'000 Schritte – der neue Job hält mich also auch fit», freut sich Thomas.

Podcast: Berufliche Integration mit Marc Scaccia (Case Manager)

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