Moderne Werkstätten für die S-Bahn der Zukunft

«Wir stehen den Direktbetroffenen und der Allgemeinheit gegenüber in der Verantwortung»

Interview mit Bernard Guillelmon, CEO BLS AG

Die BLS folgt der Empfehlung der Begleitgruppe «Werkstätte BLS». Weshalb wollen Sie die BLS-Züge nun doch an drei Standorten unterhalten?

Die Kommunikation zu unserem Standortentscheid im Westen Berns kam nicht gut an, unsere Analyse wurde als technokratisch empfunden. Deshalb hat die BLS eine Begleitgruppe ins Leben gerufen, welche uns Empfehlungen für die Zukunft unserer Werkstätten abgeben sollte. Nun hat diese Begleitgruppe unter der Leitung von Bernhard Antener im September 2016 mit ihrer breit abgestützten Arbeit ein gutes Fundament für unsere Strategie gelegt. Sie hat einerseits den Bedarf für eine neue, moderne Anlage zur Wartung unserer Züge bestätigt. Und sie empfiehlt von insgesamt 42 geprüften Standorten das Gebiet Chliforst Nord im Westen von Bern für die neue Werkstätte. Die Begleitgruppe hat alle Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen. Besonders wichtig ist, dass sowohl der Kanton Bern wie auch der Gemeinderat der Stadt Bern das Vorgehen der BLS konstruktiv unterstützen. Das ist nicht selbstverständlich.

Wieso kam die BLS nicht selber auf die Idee, die neue Werkstätte im Chliforst Nord zu planen?

Als wir im Jahr 2013 die verschiedenen Standorte geprüft haben, haben wir Flächen mit Wald als Tabu betrachtetet. Die Begleitgruppe hat nun eine neue Perspektive eröffnet. Im Chliforst Nord müsste durch den Einbezug von Wald nicht nur weniger Landwirtschaftsland geopfert werden. Es bietet sich zudem die Möglichkeit, dass wir neben Spiez die Werkstätte in Bönigen weiter nutzen und sogar ausbauen können. Das ist betrieblich und wirtschaftlich sinnvoll. Zudem kann die BLS ihre Präsenz mit Arbeitsplätzen im Berner Oberland und in der Stadt Bern stärken. Doch wir stehen erst am Anfang. Auch im Chliforst Nord gibt es Direktbetroffene, für deren Nachteile wir Lösungen finden müssen. Es gibt insgesamt noch viele Fragen, die wir gemeinsam mit den Betroffenen auf allen Ebenen klären werden.

Wozu braucht die BLS überhaupt eine neue Werkstätte? Könnte man nicht einfach die bestehenden vier Anlagen weiter nutzen?

Das geht in dieser Form leider nicht. Die Mobilität entwickelt sich schnell. Der öffentliche Verkehr wird kontinuierlich ausgebaut. Es fahren immer mehr Züge. Und die sind erst noch länger, um möglichst vielen Fahrgästen Platz zu bieten. Damit stossen die alten Werkstätten an ihre Grenzen. Und ab Ende 2019 steht der BLS die Werkstätte Aebimatt im Westen des Bahnhofs Bern nicht mehr zur Verfügung. Wir brauchen somit langfristig eine neue, moderne Anlage westlich von Bern. Das stark genutzte Schienennetz erfordert kurze Zufahrtswege, bei uns eben nahe beim Zentrum der S-Bahn Bern. Nur so können wir in Zukunft eine gut funktionierende S-Bahn für die Pendler und Reisenden sicherstellen. Dazu wollen und müssen wir die BLS-Loks und -Züge zuverlässig in Schwung halten. Das sind wir den täglich 150'000 Fahrgästen, der Bevölkerung und der Berner Wirtschaft schuldig.

Im Chliforst Nord werden Grundeigentümer und Landschaft tangiert, wenn eine Werkstätte gebaut wird. Wie gehen Sie damit um?

Es ist leider so, dass ein solcher Bau Mensch und Umwelt vor Ort beeinträchtigt. Für die Betroffenen ist das eine extrem belastende Situation. Es liegt der BLS und mir persönlich daher am Herzen, die direktbetroffenen Grundeigentümer, Umweltorganisationen und örtliche Interessengruppen von Anfang an in die Projektierung und Planung einzubeziehen. Unser Ziel ist es, dass wir gemeinsam möglichst gute und tragbare Lösungen finden werden.

Wie wollen Sie das sicherstellen?

Wir laden alle betroffenen Grundeigentümer und Interessenvertreter in die sogenannte Dialoggruppe Chliforst Nord ein. Sie sollen dadurch eine aktive, mitgestaltende Rolle im ganzen Projektverlauf erhalten. So können wir die Sorgen, aber auch die Ideen und Vorschläge der Betroffenen und Interessengruppen bestmöglich im Projekt berücksichtigen.

Wollen Sie damit nicht einfach mögliche Gegner der neuen Werkstätte besänftigen?

Nein. Wir wollen vielmehr gemeinsam mit den Betroffenen möglichst gute und tragfähige Lösungen erzielen. Dazu öffnen wir die Tür frühzeitig. Ich erwarte nicht, dass am Ende alle zufrieden sind. Denn wir stecken in einem echten Dilemma: Wir fühlen uns einerseits den Direktbetroffen gegenüber verpflichtet. Und gleichzeitig stehen wir gegenüber der Allgemeinheit in der Verantwortung. Denn am Ende dient die Werkstätte der Lebensqualität vieler Menschen und der umweltschonenden Mobilität. Sie sichert und stärkt den öffentlichen Verkehr. Diese gegensätzlichen Interessen will die BLS umsichtig berücksichtigen.

Wie geht es nun weiter?

Die BLS will mehr als nur einen Dialog führen, sondern die Betroffenen wirklich einbinden und mitwirken lassen. Darum leite ich die Dialoggruppe, damit die Teilnehmenden einen direkten Draht zur Geschäftsleitung haben. Wir werden uns regelmässig mit den Betroffenen auf allen Ebenen an den Tisch setzen und starten so ins ordentliche Projektverfahren. Das wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Wir werden über die einzelnen Schritte laufend informieren. Gemäss heutiger Planung könnten wir im Jahr 2025 damit rechnen, die schweizweit modernste Anlage für die Wartung der Züge in Betrieb zu nehmen.

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    Begleitgruppe «BLS Werkstätte»

    Für die Suche nach einem Standort für den Neubau der BLS Werkstätte setzte die BLS in Absprache mit dem Kanton eine Begleitgruppe ein. Die breit zusammengesetzte Begleitgruppe hatte den Auftrag, die Standortevaluation der BLS kritisch zu hinterfragen und allenfalls neue Vorschläge einzubringen.
     
    Nach über einjähriger Arbeit, hat die Begleitgruppe am 20. September 2016 ihre Standortempfehlung zu Handen der BLS abgegeben. Der Verwaltungsrat der BLS AG entscheidet voraussichtlich bis Ende 2016, welchen Standort er für den Werkstattneubau favorisiert.

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